Kategorie: Daheim

  • Das „Weserbild“ – eine Spurensuche

    Das „Weserbild“ – eine Spurensuche

    Ein Bild hängt an meiner Küchenwand. Es ist ein „Erbstück“, in der dritten Generation in Familienbesitz und soll die Weser zeigen. Die Geschichte dahinter kann mir leider keiner mehr erzählen und so musste ich selber auf Spurensuche gehen und war erstaunt, was man tatsächlich alles herausfinden kann.

    Aber, lest selbst:

    Nach dem Tod meiner Mutter und dem Umzug meines Vaters in ein Pflegeheim, kam bei der Auflösung unseres Elternhauses ein Ölgemälde zu mir, das lange Zeit bei meinen Eltern in dem Raum vor der Küche in der Essecke hing. Meine Mutter hatte es nach dem Tod ihres Vaters übernommen. Bei meinen Großeltern hing es lange Zeit ebenfalls über den Esstisch, aber auch längere Zeit im Wohnzimmer.

    Es ist somit eine Art Familienbild, das für die Verbindung zum Weserbergland steht, was sich nun in der dritten Generation in Familienbesitz befindet. Nun ist über das Bild (Abb. 1) relativ wenig bekannt und auch leider niemand mehr da, der dessen Geschichte erzählen könnte. Es ist völlig unklar, wie meine Großeltern in Besitz des Bildes kamen und wie dessen Entstehungsgeschichte war.

    Abb. 1: Das „Weserbild“ von Helmut Hermann-Nepolsky – in der dritten Generation in Familienbesitz

    Auch der Maler ist eher eine nebulöse Gestalt – wie viele Menschen, die vor dem Internet-Zeitalter lebten, lassen sich kaum digitalen Spuren zu seiner Person finden. Helmut Hermann-Nepolsky wurde am 08. März 1902 (vermutlich in Peine) geboren. Er lebte und arbeitete in Hameln, wo er während der Zweiten Weltkrieges der Deister-Weser-Zeitung (DeWeZet) als Redakteur zugewiesen wurde. Er war Turnierreiter und malte gerne Pferde.

    Das weiß ich, weil mein Großvater die Meldung zum 80. Geburtstag des Malers aus der Zeitung ausgeschnitten und hinten auf das Bild geklebt hat (siehe Abb. 2). Als Enkelkinder haben wir es immer gehasst, dass mein Großvater ständig Foto- und Poesie-Alben eigenmächtig umdekoriert und gerne Bilder und Überschriften, die er bevorzugt aus der „HörZu“ ausgeschnitten hatte, einfach ungefragt dazu geklebt hat. In diesem Fall bin ich aber ganz dankbar, dass er den Artikel hinten auf das Bild geklebt hat (und nicht vorne drauf!) – sonst hätten wir noch weniger über den Maler gewusst, über den es auch keinen Wikipedia-Eintrag gibt.

    Abb. 2: Dieser Zeitungsartikel aus der DeWeZet klebte auf der Rückseite des „Weserbildes“

    Dass er so unbekannt ist, macht seine Arbeiten, wenn sie als Dachkammer- oder Keller-Fund ihren Weg zu Online-Verkaufsplattformen finden, auch recht günstig. Wie sollte man den Wert der Arbeiten eines Künstlers bewerten, den das Internet nicht kennt? So konnte ich recht einfach vor Weihnachten 2025 zwei Bilder von ihm über „ebay“ und „kleinanzeigen“ kaufen (siehe Abb. 3). Beide konnte ich jeweils für etwas über 60 Euro kaufen. In einer Online-Auktion im Januar 2026 kam noch unerwartet ein weiteres Bild dazu, das ich für einen Euro ersteigern konnte.

    So viel vorweg: Das „Weserbild“ wird also vermutlich keine Kapitalanlage sein.

    Abb. 3: Zwei weitere Bilder von Helmut Hermann-Nepolsky – das Gemälde mit der Frau am Fenster ist auf den 03. August 1925 datiert, die Pferde am Pflug sind ohne Datum.

    Die Spurensuche nach dem Künstler wird sicher noch eine eigene Geschichte werden. Aber was kann uns das Bild erzählen?

    Ich wusste nicht, wo es gemalt wurde und was es konkret zeigt. Ich war der Meinung, dass jemand früher mal gesagt habe, das Bild zeige „Die Weser bei Fuhlen“. Tatsächlich gibt es zwischen Hessisch Oldendorf (wo meine Großeltern lebten) und Fischbeck (wo mein Urgroßvater als Dachdecker den Kirchturm mal falsch eingedeckt haben soll) eine Flussschleife nördlich von Fuhlen (Abb. 4A). Damit würde im Hintergrund des Bildes Fischbeck zusehen sein. Eine schöne Geschichte, die irgendwie schlüssig klingt – aber falsch ist.

    Abb. 4: Die falsche und die korrekte Perspektive – wie die korrekte Perspektive (B) ermittelt werden konnte, erfahrt ihr weiter unten im Text.

    Des Rätsels Lösung war am Ende überraschend einfach: Ich habe bei Google einfach die Suchbegriffe „Ölgemälde Weser“ eingegeben und bin dabei direkt auf zwei Bilder gestoßen, die meinen „Weserbild“ tatsächlich sehr ähneln – geradezu identisch wirken! Beide stammen von Fritz Thate. Das Erste trägt den Titel „Weserbogen“ und wurde bei „ebay“ im Februar 2026 für 200 Euro angeboten (Abb. 5A). Im Beschreibungstext wird von einem „seltenen Landschaftsbild“ gesprochen. Ferner heißt es dort: “ In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts betrieb Thate sein Atelier in Braunschweig. Hier entstanden die wenigen ‚Nicht-Harzbilder‘ (…).“

    Abb. 5: Zwei fast identische, „seltene“ Weserbilder von Fritz Thate in Online-Verkäufen (Screenshots: Februar 2026)

    Tatsächlich gibt es für ⏩ Fritz Thate, dem „Harzmaler“, einen Wikipedia-Eintrag und seine Bilder sind schlagartig etwas wert. Vor allem seine Harz-Bilder kratzen von unten an der Tausend-Euro-Marke. Vermutlich der selbe Verkäufer bietet das selbe Bild zur gleichen Zeit auf „kleinanzeigen“ für 215 Euro an (von vormals 300 Euro und zwischenzeitlich bereits reduziert). Das Bild wird auch auf anderen Webseiten angeboten und kostet dort teilweise über 2.500 Euro. Also: Augen auf beim Ölbild-Kauf! Tatsächlich ist auch die Bezeichnung „Weserbogen“ irritierend, denn so wird eigentlich der große Bogen der Weser rund um die Porta Westfalica genannt.

    Das zweite „seltene“ Weserbild von Fritz Thate sieht genauso aus und heißt „Hameln – Blick vom Felsenkeller“ und ist auf 1938 datiert. Es wird auf „kleinanzeigen“ für 190 Euro angeboten (Abb. 5B). Es liefert den entscheidenden Hinweis: Der „Felsenkeller“ war scheinbar ein beliebtes Hamelner Ausflugslokal mit Terrasse über der Weser. Und wenn man nun „Weser, Hameln, Felsenkeller“ im Internet sucht, bekommt man sehr schnell historische Postkarten angezeigt, die genau die Ansicht meines „Weserbildes“ wiedergeben (Abb. 6).

    Abb. 6: Auszug aus einer Angebotsübersicht historischer Postkarten mit Blick auf die Weserschleife bei Hameln (Screenshot von ⏩ heimatsammlung.de: Februar 2026)

    Tatsächlich fand ich eine der Postkarten (die das handschriftliche Datum „27.8.59“ trägt) so frappierend ähnlich, dass ich sie mir für sieben Euro im Internet gekauft habe. Ich habe sie zuhause eingescannt und transparent über mein „Weserbild“ gelegt (Abb. 7). Wenn man die Postkarte etwas in der Höhe staucht (Abb. 7 Nr. 1) und sie dann etwas in die Breite zieht (Abb. 7 Nr. 2), kann man den gegenüberliegenden Höhenzug und den Flussverlauf fast deckungsgleich bekommen.

    Abweichungen gibt es bei der Landzunge links (Abb. 7 Nr. A) sowie bei der Uferbebauung rechts (Abb. 7 Nr. B). Dafür ist der Baum oder Busch im Vordergrund (Abb. 7 Nr. C) fast deckungsgleich.

    Abb. 7: Die Postkarten vom Felsenkeller-Hameln in Hameln über mein „Weserbild“ gelegt.

    Damit ist für mich das Thema „Ort“ hinreichend belegt und ich werde bestimmt bald mal selber dorthin fahren, um meine Theorie mit eigenen Augen zu überprüfen.

    Nach dem Ort, bleibt dann nun die Frage nach der Zeit. Hermann-Nepolsky ist 1902 geboren und als er 80 Jahre alt wurde, war das Bild bereits im Besitz meiner Großeltern, ansonsten hätte mein Opa nicht den Zeitungsartikel auf die Rückseite kleben können. Das ist aber noch ein recht großes Zeitfenster.

    Wir wissen auch nicht, wie gegenständlich und realitätsnah Helmut Hermann-Nepolsky gemalt hat und wie viel künstlerischen Freiraum er sich selbst zugestanden hat. Auf der linken Uferseite zwischen der ersten und des zweiten Baumgruppe gab ein Fluss-Schwimmbad und vermutlich auch einen Schuppen eines Ruder-Clubs. Auf der Postkarte sind dort ein paar Schuppen und Ruderboote auf dem Fluss zu sehen (Abb. 7 Nr. A). Auf dem undatierten Bild von Fritz Thate (Abb. 5A) und meinem „Weserbild“ ist an dieser Stelle nichts zu sehen.

    Auf dem Fritz Thate Bild von 1938 (Abb. 5B) ragt an dieser Stelle auch Mole in den Fluss, die vermutlich mit irgendeiner Art der Nutzung des Ufers zusammenhängen könnte.

    Die ⏩ DeWeZet hat auf ihrer Website in dem Beitrag „In der Weser schwimmen?“ (vom 06.09.2014) eine interaktive Karte, die Standorte historischer Flussbäder rund um Hameln zeigt. Wenn man auf dieser Karte den südlichsten Punkt (Nr. 17) anklickt, sieht man ein Bild der alten Militär-Badeanstalt, die exakt an der Stelle am linken Ufer stand (Abb. 7 Nr. A) und von zwei Molen begrenzt war. Die Jahreszahl „1910“ bezieht sich vermutlich auf den Zeitpunkt der Aufnahme.

    Auf der ⏩ Website des Stadtarchivs heißt es zur Badegeschichte: „Auch an der Weser wurde ‚wild‘ gebadet, so dass die Stadt Hameln im Sommer des Jahres 1850 eine durch Aufsichtspersonal überwachte Badestelle an der Weser einrichtete. Sie lag auf dem Flurstück ‚Im Westen‘ oberhalb der Hafeneinmündung, dem Felsenkeller gegenüber.“

    In wie weit es auch einen Zusammenhang mit „Flussbadeanstalt Hafen“ (auf der DeWeZet-Karte Nr. 15) geben könnte, ist mir gerade nicht ganz klar, weil ich keine Bilder mit der passenden Perspektive finden kann. Zumindest sieht man auf den Aufnahmen aus den frühen 1950er Jahren ebenfalls eine begrenzende Flussmole (wie auf dem Thate-Bild von 1938).

    Diese Flussbadeanstalt wurde kurz nach den Bildern von 1951 geschlossen. Mein „Weserbild“ weist an der Stelle gegenüber des Felsenkellers keinerlei Bebauung und auch keine Mole auf. Es kann angenommen werden, dass das Bild von Hermann-Nepolsky nach dem Rückbau entstanden ist.

    Da das „Weserbild“ auf dem Verlobungsfoto meiner Eltern aus Dezember 1964 (im Hintergrund) im Wohnzimmer meiner Großeltern zu sehen ist, vermute ich mal, dass es in der zweiten Hälfte, der 1950er Jahre entstanden sein könnte. Dafür spricht auch der schlichtere Rahmen aus weiß lasierten Holz mit Goldkante.

    Fediverse-Reaktionen
  • Das Memory-Versprechen

    Das Memory-Versprechen

    Mein jüngerer Sohn spielt leidenschaftlich gerne Memory. Und ich spiele total gerne mit ihm. Ich musste ihm beim Gedächtnisspiel auch nie gewinnen lassen, denn das konnte er schon immer alleine.

    Sein Favorit bei uns ist das „StädteBautenMemoSpiel Berlin“, das ich mal von Freunden als Erinnerung an die gemeinsame Studienzeit in Berlin geschenkt bekam. Er mag dabei auch das Begleitheft, in dem man nachlesen kann, welches Gebäude zu sehen ist. Inzwischen kann er alle abgebildeten Berliner Bauten problemlos benennen und man könnte meinen, er wäre in Hauptstadt zuhause.

    Als er dann auch noch bei seinem Onkel die Kölner-Ausgabe entdeckte, fragte er mich, ob wir als Düsseldorfer nicht auch ein Düsseldorf-Memory zuhause haben sollten. „Recht hast Du“, sagte ich da: „Du hast ja im Februar Geburtstag – da schenke ich Dir ein Düsseldorf-Memory!“

    Und was ein Papa seinen Kindern verspricht, muss ein Papa auch halten. Was ich zu Beginn dieses Jahres jedoch nicht wusste: Ein klassisches Memory – wie wir es von Berlin und Köln kannten – gibt es für Düsseldorf nicht.

    Was also tun? Es musste ja zum Geburtstag im Februar 2019 ein Düsseldorf-Memo-Spiel her, denn ich hatte es ja versprochen.

    Wenn es etwas noch nicht gibt, dann muss man(n) es eben selber machen!

    Auch dafür gibt es im Internet-Lösungen. Das wusste ich, denn vor etlichen Jahren hatte ich gemeinsam mit meinem Bruder zur Hochzeit unserer Schwester ein „Memory“ mit Fotos aller Hochzeitsgäste drucken lassen – ein Geschenk, bei dem Spielenamen und Funktion Hand in Hand gehen.

    Bei der Vielzahl der Anbieter, habe ich mich für denjenigen entschieden, der noch eine Shopfunktion im Programm hat: Sollten sich noch andere Düssseldorfer für ein „Düsseldorf-Memory“ interessieren, dann könnten sie dort mein Spiel bestellen.

    Jetzt brauchte ich nur noch passende Bilder aus unserem Wohnort: Für eine eigene Foto-Safari war weder die Jahreszeit, noch mein Equipment oder meine fotografischen Kenntnisse ausreichend – aber auch dafür gibt es im Internet Lösungen: Auf verschiedenen Plattformen gibt es frei verwendbare Bilder – ich wurde größtenteils auf pixabay.de fündig.

    Ich folgte der Prämisse, dass die Bilder – wie bei den bekannten Stadt-Memo-Spielen – nicht ‚künstlerisch wertvoll‘ sein mussten, sondern in erster Linie für junge Spieler wiedererkennbar sein sollten – im weitesten Sinne also den ‚natürlichen Blick‘ auf die Orte wiedergeben sollten. Ergänzt habe ich die gewählten Motive durch persönliche Bildmotive: Ein Bilderpaar zeigt das Haus, in dem wir wohnen und eines den Blick aus dem Kinderzimmer des jungen Mannes.

    Am Ende war es auch ein bisschen mehr Mühe als gedacht: Motive herunterladen, Motive hochladen, den Zuschnitt wählen, ein Booklet gestalten und kindgerechte Infos zu den Motiven zusammenzusuchen.

    Und so richtig günstig war es auch nicht wirklich: Das Unikat kostet mit Versandkosten gut 28 Euro – ein stolzer Preis für ein spontanes Versprechen. Aber: Versprochen ist versprochen!

  • Was als Erinnerung bleibt…

    Was als Erinnerung bleibt…

    Manchmal frage ich mich, an was sich meine Jungs erinnern, wenn sie an ihre Kindheit zurückdenken werden. Werden es die Ausflüge sein oder das stundenlange Kniffeln am Küchentisch. Wie ich darauf komme?

    Vor Kurzem verstarb Bud Spencer – etwas an das sich meine Kinder vermutlich nie erinnern werden. Am nächsten Tag sprachen wir im Büro über das Ableben des Schauspielers. Mit leuchten Augen erzählte mir eine Kollegin, dass sie mit Bud Spencer die TV-Abende mit ihrem Vater verbinde, an die sie gerne zurückdenke. Sie erinnere sich noch immer gut daran, dass Bud Spencer ständig Bohnen gegessen habe und sich ihr Vater darüber habe kaputtlachen können.

    Und da wird Dir klar, dass es genau die Dinge sind, die Du nicht beeinflussen kannst: Deine Kinder werden sich ihr ganz eigenes Bild von Dir machen – ganz egal, was und wie es inszenieren wolltest. Und am Ende sind es die Bohnen, die Bud Spencer aß, die als Erinnerung blieben… Irgendwie gefällt mir diese Vorstellung.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/gedanken-1-was-als-erinnerung-bleibt/

  • Schneemann-Basteln

    Schneemann-Basteln

    Kinder liebten schon immer Schneemänner. Seit sie „Olaf“ aus Disney’s „Eiskönigin“ kennenlernten haben, sind sie große von Fans von ihnen. Aber mir ging es eigentlich nur darum, an Silvester Zeit totzuschlagen und meine beiden Jungs (gerade 7 und fast 4 Jahre alt) kreativ zu beschäftigen.

    Da dachte ich: „Vielleicht können wir irgendwie Schneemänner basteln!“ – und hoffte ein bisschen darauf, dass sich dies mit Materialien bewältigen ließe, wie man sowieso immer irgendwie im Hause hat. Anregungen lieferte wie immer das Netz: In der Kinderspiele-Welt habe ich einen Vorschlag gefunden, für den ich alles da hatte – Perfekt!

    Für den Körpersegmente kann man weißes Papier oder weiße Pappe nehmen. Ich hatte Pappe im Haus, was ein bisschen stabiler ist. Mit Untertasse (für das untere Körpersegment) und Trinkglas (für das Brust-Körpersegment) und Schnapsglas (für den Kopf) lassen sich mit Bleistift entsprechende Kreise auf das Papier oder Pappe malen und anschließend ausschneiden.

    Anders als im Bastelvorschlag haben wir die Körpersegmente nicht aus zwei Kreisen, die gefalzt und an der Falzkante geklebt oder getackert werden sollten, sondern aus drei Kreisen gebaut. Diese haben wir eher gewölbt als gefalzt und dann „Rücken an Rücken“ geklebt – die Idee einer Kugel wird dadurch etwas „kugeliger“.

    Diese Kontruktion lässt einen Hohlraum in der Mitte entstehen. Da haben wir eine Mullbinde durchgezogen, die wir unten verknotet haben, um die beiden Körptersgemente aufzufädeln. Das weiße, löcherige Band, wurde von den Kindern mit dichtem Schnellfall assoziiert und war dadurch sogar passend anstatt nur eine Notlösung zu sein. Den Kopf haben wir platt gelassen, weil er sich so besser bemalen liess. Arme drankleben, Nase und Hut nach Lust und Laune dazu, dann die Kameraden ans Fenster gehängt.

    Fazit: Wir waren gut etwas über eine Stunde ohne Langeweile und mit hoher Konzentration beschäftigt und haben eine neue winterliche Fenster-Deko bekommen.

    Übrigens: Auf der Website kinderspiele-welt gibt es noch viele Bastel-Ideen für andere Schneemänner.

    Der Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/basteln-14-schneemann-basteln/

  • Papas sind Spielverderber

    Papas sind Spielverderber

    Beim Strandurlaub kann es einem auffallen, aber man sieht es auch auf örtlichen Spielplätzen oder in heimischen Kinder- und Wohnzimmer: Väter sind richtig miese Spielkameraden.

    Wie kommt es dazu? Männer ertragen es nicht, wenn nicht korrekt gespielt wird! Phantasie ist das eine, aber beim Spielen muss schon alles mit rechten Dingen zugehen: Die Lokomotive ist meistens vorne am Zug, Kühe wohnen nicht auf Bäumen und wer ein Haus baut, muss auch eine Tür mit rein bauen!

    Am Strand sah ich mal einen Vater, der neben einer großflächig angelegten Sandburg mit seiner vielleicht fünf Jahre alten, verheulten Tochter schimpfte: „Ich kann das einfach nicht verstehen. Jetzt haben wir zwei Stunden so schön mit einander gespielt und dann schließt Du den Wall der Vorburg auf der Rückseite nicht. Das schwächt die ganze Verteidigung. Niemand würde eine solche Burg bauen – das macht überhaupt keinen Sinn! So macht das keinen Spaß mit Dir zu spielen!“

    Ein bisschen fühlte ich mich ertappt. Am Schlimmsten finde ich es bei Eisenbahnen – egal ob Plastik, Holz oder Metall: Da werden endlose Schlangenlinien aus Schienen verlegt – völlig egal, ob sich daraus Rundstrecken ergeben oder nicht. Da kann doch überhaupt kein Zug drauf fahren! Was soll das denn? Spielzeugeisenbahnen sollten aus einer längeren und einer kürzeren Schleife bestehen, damit Überholungen möglich sind, wenn man zwei Züge fahren lässt… Ach, wem ich erzähle ich das hier??? Hört ja eh keiner auf mich! Ihr baut ja sowieso was ihr wollt!!! Ganz egal, ob es funktioniert oder nicht… MIT EUCH SPIELE ICH NICHT MEHR!!!!

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/alltag-76-papas-sind-spielverderber/

  • Hinter Gott lang fliegen

    Hinter Gott lang fliegen

    Kinder denken manchmal über Dinge nach, über die Eltern nur stauen können. Der Große neigt dabei mitunter zu religiösen Fragestellungen. Er war noch keine fünf Jahre alt, der fragte er mich vor dem Schlafen gehen, ob die Vögel gegen Gott stoßen.

    Ich war verwundert und verstand zuerst nicht ganz recht, aber dann erklärte er mir, was ihn beschäftigte: „Gott ist ja im Himnel. Und die Vögel fliegen auch im Himmel. Und wenn die nun an Gott vorbeifliegen wollen, fliegen die dann vor ihm oder hinter ihm lang oder stoßen die zusammen?“ Das war hervorragend kombiniert und mir zu anstrengend die unterschiedlichen Ausdeutungen des Wortes „Himmels“ zu erläutern.

    Stattdessen einigten wir uns darauf, dass Gott ja auch die Vögel erschaffen habe und deswegen auf sie aufpasse. Vielleicht beugt er sich auch ein bisschen nach vorne, wenn ein ganzer Schwarm kommt, um diesen gut hinter sich vorbei fliegen zu lassen.

    Der Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/alltag-73-hinter-gott-lang-fliegen/

  • Der Kracher hinter der Linkschleuder

    Der Kracher hinter der Linkschleuder

    Schon länger bestätigt sich der Verdacht, dass Inhalte im (Social) Web geteilt werden, ohne das sie vorher gelesen worden. Klingt die Überschrift vielversprechend, dann wird der Link kopiert und via Twitter verschleudert.
    Das haben in den vergangenen Tagen einge mit einem Blogpost der deutschsprachigen Ausgabe des Wallstreetjournals gemacht – die Quelle ist vertrauenswürdig, die Head „Wird Facebook jetzt uncool?“ passt und dann: Ab dafür! Der Inhalt, der darunter steht, ist nicht falsch, aber eher dünn.

    Lediglich der harmlos wirkende Link zu Beginn des zweiten Absatzes verweist auf einen echten Kracher, den vermutlich die wenigstens Leser weiterverfolgt haben: Die fünfseitige Pressemitteilung der HAVAS PR zur „Jacobs Krönung-Studie“.

    Die Studie ist deswegen der Kracher, weil sie unter unglaublichen Banalitäten und Alltagsweisheiten auch echte Hammer-Fakten vergräbt. Zum Beispiel, dass Jacobs, Suchard und all die Kraft-Marken zu dem Food-Giganten Mondelez International gehören, vom dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Aber das war nur für mich persönlich ein Aha-Erlebnis…

    Die Studie des Kaffee-Rösters nennt sich „Chatroom Familie: Die Brücke zwischen den Generationen“ wurde im Dezember 2012 von Institut für Demoskopie Allensbach erhoben und will die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Familie als Bindeglied einer digital-dominierten Welt des 21. Jahrhunderts unterstreichen.
    Die Pressemitteilung fragt in ihrer Überschrift noch alarmierend: „Bricht unsere Gesellschaft auseinander?“ Wäre sie faktenorientiert aufgebaut, hätte der erste Satz lauten müssen: „Tut sie nicht.“ Denn es gibt ja die Famiie und beim guten Kaffee kann einfach über alles gesprochen werden.

    Das ist de facto auch das Fazit der ganzen Erhebung: Soziale Systeme definieren und stabilisieren sich durch Kommunikation – oder anders: Es hilft, wenn man miteinander spricht. 60 Prozent der befragten Erwachsenen hilft es zum Beispiel mit jungen Menschen zu sprechen – hoffen wir mal, dass die jungen Menschen den Armen auch antworten… Für völlig hilflose Erwachsene werden dann auch konkrete Einsteigerfragen für den Dialog mit der Jugend vorgeschlagen z.B. „Wie bekommst du deine Lieder aus dem Internet?“

    Ebenso banal ist der empirische Nachweiß, dass es eine Jugendkultur gibt, die bei Älternen auf Miss- oder gar Unverständnis stoßen könnte – so als hätte es vor 60 Jahren die Beatles oder Elvis Presley nicht gegeben.

    Aber der echter Kracher versteckt sich in der Restmenge der Eltern, die bei der Befragung weder angaben täglich oder mehrmals täglich (50 Prozent) oder zumindest mehrmals pro Woche (36 Prozent) mit ihren Kindern zwischen 14 und 17 Jahre zu reden. Das macht 14 Prozent oder jede siebte Familie, in der nicht einmal pro Woche mit den Kindern gesprochen wird! Was sind denn das für Zustände?

    Im Sinne der Transparenz gibt es natürlich noch den vollständigen Berichtsband hinter der Pressemitteilung: Unter jacobskroenung-studie.de lässt sich alles mögliche dazu herunterladen.

    Der Blick in den Berichtsband lohnt sich vielleicht, denn wir hatten schon immer geahnt, dass Kinder sich nicht mit ihren Eltern in Social Media vernetzen wollen, aber es fehlte uns eventuell noch die Zahl nebst Belegstelle dazu. Voila: 76 Prozent der Kinder zwischen 14 und 17 Jahren wünschen sich keinen Austausch mit ihren Eltern auf Facebook – jetzt empirisch verweisbar auf S. 17.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://anderesachen.blogspot.com/2013/03/der-kracher-hinter-der-linkschleuder.html

  • Himmelfahrt im frühkindlichen Religionsdiskurs

    Himmelfahrt im frühkindlichen Religionsdiskurs

    Aus gegebenen Anlass habe ich mit meinem vierjährigen Sohn vor dem Einschlafen über Chisti Himmelfahrt. Der Auslöser war eher profan – vermutlich die Frage, warum der Kindergarten am nächsten Tag nicht geöffnet habe. Ich bemühe mich stets auf konkrete Fragen korrekte Antworten zu liefern. Daher habe ich gesagt, dass die Christen feiern, dass Jesus zu seinem Vater in den Himmel aufgestiegen ist.

    Das wurde weitestgehend so hingenommen. Nun die Rückfrage: „Ist Maria, seine Mama, auch im Himmel?“ „Ich denke inzwischen schon. Sie ist ja irgendwann gestorben als sie alt war und wer gestorben ist, der kommt ja auch in den Himmel.“ Große Pause zum Nachdenken. Dann die zentrale Frage: „Wenn Gott doch schon im Himmel ist, ist er dann auch irgendwann gestorben?“ Darüber muss ich jetzt erstmal nachdenken.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/alltag-62-himmelfahrt-im-fruehkindlichen-religionsdiskurs/

  • Die Sache mit der falschen Fleischwurst

    Die Sache mit der falschen Fleischwurst

    Ich bin in diesem Blog stets bemueht ausschließlich eigenes Material zu verwenden oder die Quellen klar zu kennzeichnen. Wenn dies an einigen Stellen nicht so gut geglungen sein sollte, dann handelt es sich um eher um Flüchtig- oder Nachlässigkeit als um Vorsatz.

    Vor über zwei Jahren hatte ich hier einen Beitrag über Fleischwurst-Präferenzen beim Nachwuchs veröffentlicht. Bebildert hatte ich den Beitrag mit einem Foto einer Fleischwurst, das ich aus dem Netz hatte, von dem ich aber glaubte, dass es verwendet werden durfte. Vor ein paar Tagen erhielt ich eine automatisierte Mail des Plattformbetreibers, dass man diesen Beitrag wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht offline gestellt habe.

    Ich habe erst gar nicht genau verstanden, worum es geht und dachte es könnte vielleicht daranliegen, dass in der Überschrift des Beitrages das Wort „geil“ zu finden ist und ich bei den Metadaten „keine Altersbeschränkung“ gewählt hatte. Aber nein, es ging um das Fleischwurst-Bild, dass aus dem betreffenden Beitrag bereits gelöscht war.

    So ganz nach vollziehbar war das alles nicht, weil der ganze Vorgang auf US-amerikanischen Recht basiert und alles, was es darüber zu lesen gibt, ist in Englisch. Wenn es um juristische Spitzfindigkeiten geht, verlässt mich mein Alltags- und Small-talk-Englisch zusehends und auch auf E-Mail-Nachfrage erhielt ich auch keine Antwort.

    Ich habe nun unsere Fleischwurst auf unserem Küchentisch fotografiert, das Bild im beanstandeten Beitrag ausgewechselt und hoffe nun damit, auf der rechtlich sicheren Seite zu sein.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/sinn-und-zweck-11-die-sache-mit-der-falschen-fleischwurst/

  • Das Fleischauto

    Das Fleischauto

    Es war wieder einmal mal Wochenende, als mein größerer Sohn sagt: „Papa, ich will ein Auto bemalen.“ Nun hatte ich kein bemalbares Auto griffbereit, aber einen Bogen Pappe und eine Schere.

    Freihändig zeichnete ich die Seitenansicht auf ein kindgerechtes Auto und vervollständigte sie ohne Lineal, Winkelmaß und Hilfslinien zu einem vollständigen Autofaltbogen (wobei ich leider nicht an die Klebekanten dachte). Ausgeschnitten und gefalzt ergab es tatsächlich ein Auto und ich muss zugeben auch ein bisschen stolz zu sein, dass so einfach „aus der Hand“ hinbekommen zu haben. Das ist meinem Sohn egal, denn es ging ihm ja ohnehin nur um Dekorieren.

    Also überließ ich im die Wahl, was er aus den Supermarkt-Prospekten zum Dekorieren verwenden wollte – er entschied sich für Fleisch! Da hilft auch nicht, dass wir auf einen der hinteren Kotflügel einen Guggelhopf im Glas und eine Scheibe Brot verbauen. Am Ende kleben wir noch Gesichter auf die Fensterflächen des rollenden Fleischmasse, aber das macht es auch nicht viel besser. Aber mal ganz ehrlich: Mir sind Fleischberge lieber als Ponys, Schmetterlinge und pinke Elfen. Ein bisschen stolz bin ich schon auf meinen Sohn für sein sichere Händchen beim Dekorieren.

    Dieser Beitrag ist zuerst erschienen unter http://www.vatertage.net/basteln-9-das-fleischauto/