Weniger Show: Sing your heart out!

Original-Eintrittskarte von Westernhagen Konzert Dezember 1989 in Hamburg

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Nachdem die de facto nach #Düsseldorf gezogen sind, habe ich mich gefragt, warum mir diese Mega-Konzerte irgendwie am Allerwertesten vorbeigehen.

Und ich habe eine trübe Ahnung warum: Ich komme aus einer Kleinstadt, in der sich nie bekannte Musiker verirrten. Und selbst in den nächstgelegenen größeren Städten wie Göttingen oder Kassel spielte in den 1980er Jahren niemand Bekanntes (Chris de Burgh soll mal in der nordhessischen Metropole gewesen sein).

Ich war bis zum Abitur gelegentlich mal in der Oper, war nie auf einem großen Rockkonzert. Das änderte sich schlagartig mit meinem Wehrdienst in Buxtehude. Buxtehude ist auch klein, hatte aber einen S-Bahn-Anschluss nach Hamburg. Und wir hatten in unserer Kaserne einen „Freizeitbeauftragten“, der zu allen Events und Veranstaltungen Eintrittskarten zu Spottpreisen organisieren konnte.

So kam ich zu Konzertbesuchen. Und tatsächlich: Die Konzerte, die ich in besonderer Erinnerung habe stammen aus dieser Zeit: Das war zum Beispiel der Auftritt von ⏩ Joe Cocker auf dem TDK Summer Open Air auf dem Entenwerder am 17. Juni 1989 (das Video ist vom selben Konzert in St. Wendel) – vormals „Tag der deutschen Einheit“. BAP und Suzanne Vega waren wohl auch dabei, aber an die kann ich mich nicht erinnern.

Oder Marius Müller-Westernhagen im Dezember 1989, kurz nach dem Mauerfall, in den Alsterdorfer Sporthallen. Es wurden Fans „aus dem Osten“ in Bussen angekarrt und gemeinsam gröhlte man mit Gänsehaut „Freiheit“. Komischerweise habe ich jetzt erst mitbekommen, dass es genau ⏩ dieses Konzert als Mitschnitt vor einem Jahr als Film sogar ins Kino geschafft hat.

Später, als ich in Berlin studierte, kamen natürlich alle Weltstars. Hatte ich aber nicht viel von, den ich hatte immer nur sehr wenig Geld. Trotzdem hatte ich in der Zeit eines meiner prägendsten Konzerterlebnisse: Das Grönemeyer Open Air am 18. Mai 1991 in den Wuhlewiesen in Ahrensfelde bei Berlin (Ticket kostete 20 D-Mark). Mit gut 100.000 Besucher:innen das bis dato größte Konzert eines Solo-Künstlers in Deutschland. Es war eher ein Volksfest mit Broiler-Buden und Karussells und irgendwo ganz weit hinten hüpfte Herbert als bunter Punkt in einer knallroten Lederjacke über die Bühne. Er hat ordentlich Tränchen verdrückt, als er raus kam und die Masse sah.

Ich erinnere mich aber auch daran, dass natürlich auch internationale Mega-Stars in Berlin waren. Etliche Mitstudierende hatten zum Beispiel Tickets für das Micheal Jackson Konzert (am 04. September) 1992 auf dem Maifeld. (Lese gerade, dass das dort nie stattgefunden hat: Weil zu wenige Eintrittskarten verkauft wurden, ging man in ein kleineres Stadion.) Die Tickets kosteten im Vorverkauf 65 D-Mark – das war für mich ungefähr die Hälfte meines Monatsbudget für Essen.

Aber in der Zeit ging es los: Die Leute kamen von diesen Konzerten und sagten am nächsten Tag so was wie: „Eine unglaubliche Bühnenshow!“ Wenn ich alte Ausschnitte sehe, war – glaube ich – Madonna in der Zeit ganz weit vorne, wenn es um das Thema „Bühnenshow“ ging. Und irgendwie wurde  die „Bühnenshows“ bei Konzerten immer relevanter.

Und so kommen wir wieder zum Anfang des Beitrages: Ich glaube, die Backstreets Boys liefern eine perfekte Bühnenshow – und das ist auch toll und bestimmt sehr unterhaltsam und bleibt auch bestens in Erinnerung. Ich bin vermutlich eher die Generation, die die Musiker:innen auf der Bühne mochte, die sich mit Leidenschaft die Seele aus dem Körper sangen – weniger die „Show“. Und wenn ich ehrlich bin, bringe ich Joe Cockers zuckenden Tanz (ja, ich weiß, dass er krank war) nicht unbedingt mit „Bühnenshow“ in Zusammenhang. Und die Ticketpreise finde ich heute auch immer noch zu hoch, auch wenn ich sie mir nicht mehr direkt „vom Munde absparen“ muss.

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