Das „Weserbild“ – ein Ortstermin

Im Februar habe ich ⏩ hier im  Blog das Ergebnis meiner Recherchen zu einem Familienerbstück veröffentlicht: Das „Weserbild“ von Helmut Hermann-Nepolsky, das bereits bei meinen Großeltern und bei meinen Eltern im Wohnzimmer bzw. über den Esstisch hing.

Vollmundig habe ich in dem Beitrag in Aussicht gestellt, dass ich meine Überlegungen in einem Vororttermin selber überprüfen würde – da war der Tripp weserabwärts de facto schon geplant und Ende März, am Wochenende nach Ostern, bin ich mit meinem Bruder nach Rinteln gefahren, um unseren letzten noch lebenden Onkel zu besuchen und um einen Halt in Hameln machen zu können.

Dass das Hotel „Felsenkeller“, von dessen Terrasse der Blick ins Wesertal gen Süden von Hermann-Nepolsky  (und vielen anderen) gemalt wurde, längst abgerissen wurde, wusste ich. Aber oberhalb der Weserschleife gibt es in Hameln einen „Felsenkellerweg“ und irgendwo dort vermutetet ich die gemalte Perspektive. Zum Abgleich hatte ich mir eine fast originalgroße Reproduktion des Bildes drucken lassen, mit der ich und mein Bruder dann durch die Wohnsiedlung am Hang stiefelten. Vom „Felsenkellerweg“ kommt man irgendwie nicht richtig an die Kante mit Aussicht auf das tieferliegende Wesertal. Deswegen sind wir beim „Haus Weserblick“ in die Leuthenstraße abgebogen, was tatsächlich sehr viel versprechend aussah.

Foto 1: Vermutlich die Terrasse des ehemaligen „Felsenkellers“. Heute ein Privatgrundstück, das wir natürlich nicht betreten haben, obwohl ich den Blick von der Grundstückskante ins Tal gerne überprüft hätte. 

Ich glaube, das Grundstück Leuthenstraße 34 war die Terrasse mit dem Biergarten des „Felsenkellers“ und dem berühmten Weserblick. Die Aufschüttung und Einebnung hätte ich für ein kleines Einfamilienhaus, das heute auf dem Grundstück steht, sehr aufwändig gefunden. Für ein repräsentatives Hotel aus der Jahrhundertwendezeit könnte ich mir das eher vorstellen.

Wenn man die Leuthenstraßen weiter abwärts läuft, kommt linker Hand ein kleiner Fußweg, der zum gerade Stück vom „Reseberg“ führt. Dort steht ein Bank mit dem Blick ins Wesertal. Diese Perspektive ist dem „Weserbild“ vergleichbar – jedoch etwas östlicher und etwas tiefer.

Foto 2: Annährend die Perspektive des „Weserbildes“ – bei der Bank am Fußweg von der Leuthenstraße zum Reseberg.

Kurz nach unserem Besuch in Hameln, habe ich bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob wir denn einen Treffer gelandet haben könnten und es sich bei dem Grundstück Leuthenstraße 34 tatsächlich um die Terrasse des ehemaligen „Felsenkellers“ handele. So richtig bestätigen oder verneinen konnte man dies von offizieller Seite nicht. Es wurde mir aber mitgeteilt, dass die offizielle Postadresse des Hotels „Felsenkellerweg 33“ gewesen sei.

Der nachfolgende, bearbeitete Screenshot von Google Maps zeigt die Situation vor Ort: Die Ortsmarke markiert die Postadresse des ehemaligen Hotels, die geschwungene Linie die terrassierte Grundstücksgrenze, wo vermutlich der Biergarten war und die beiden Pfeife zeigen die Richtungen, in denen das Foto 1 und das Foto 2 aufgenommen wurden.

Situation vor Ort: Postadresse, Terrassengrenze und Blickrichtungen der Fotos vom Wesertal.

Was uns erst beim Ortstermin auffiel: Im Taleinschnitt, den man auf dem Gemälde gut erkennen kann, stehen heute die Kühltürme des abgeschalteten AKWs Grohnde. Ich habe das mal für euch im Originalgemälde korrigiert.

Das korrigierte „Weserbild“ mit den Kühltürmen des AKWs Grohnde im Taleinschnitt.

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