Wenn Amazon dein Bücherregal abfackelt

Eine Ära geht zu Ende! Der 20. Mai 2026: Heute ist der Tag, an dem wir daran erinnert werden, dass „gekaufte“, digitale Inhalte eigentlich immer nur „ausgeliehen“ sind. Amazon schaltet heute den Support für seine Ur-Kindle (1. und 2. Generation) ab. Früher nannte man dies „gebrickt“: ein Eingriff in die Technik, der das mobile Endgerät in einen Backstein (englisch „brick“) verwandelt.

Die Inhalte, die man auf einem dieser Geräte hat, können laut Amazon weiterhin dort gelesen werden – man bekommt aber keine neuen Inhalte mehr drauf. Also kein echter Backstein, sondern einer mit Brailleschrift drauf. Was drauf ist, bleibt  „eingefroren“ oder wird zum „digitalen Fossil“ für alle Ewigkeit. 

Aber wir haben es ja alle geahnt, dass digitale, proprietäre, geschlossene Systeme so ihre Nachteile haben könnten – vor allem, wenn die Betreiber entscheiden können, was mit den Dingen passiert, die wir glauben „gekauft“ zu haben. Wenn wir ein eBook zum Beispiel von Amazon „kaufen“, dann kaufen wir eigentlich nur das Recht eine digitale Kopie auf einem von Amazon vorgegebenen Ausgabekanal lesen zu können. Ein gedrucktes Buch kann ich lesen, wo ich will, es verleihen, verkaufen und verschenken – bei einer digitalen Ausgabe geht das nicht. Für das „Verleihen“ gab es bei Amazon mal irgendeine Lösung, aber die habe ich nie getestet. Dafür ist das digitale nur ein paar Euro günstiger – also eigentlich viel zu gering dafür, dass ich damit nichts machen kann (außer es zu lesen). Wenn man stirbt oder seinen Account beim Anbieter löscht, hat man gar nichts mehr von den Dingen, die man dort digital „erworben“ hat: Ein Export in eine andere Nutzungsumgebung ist nicht vorgesehen. Das erworbene Nutzungsrecht bezieht sich nur auf die Ausgabekanäle des Verkäufers.

Ich haben meinen Kindle der 1. Generation geliebt: Leicht und vor allen Dingen nicht von alleine leuchtend (wie Handys oder Tabletts). Ohne eigene Lichtquelle mussten die Seiten zum lesen beleuchtet werden – wie bei einem Buch. Es war nicht so ermüdend, wie das Lesen am Bildschirm.

Für mich endet mit dem Tod meines Kindles vermutlich auch das Zeitalter des digitalen Lesens. Das war eine interessante Phase, aber vermutlich gibt es gute Gründe, dass Bücher bereits so viel länger existieren als digitale Lesegeräte, die meiner Meinung nach auf den Schrotthaufen der Technik-Geschichte gehören.

Betrag teilen in:
Fediverse-Reaktionen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert