Man kann nicht wirklich behaupten, dass der Autor einen nicht gewarnt hätte: Bereits in der Vorbemerkung seines Buches „Halt mal, Schatz“ weist Jochen Malmsheimer darauf hin, dass er einiges aus anderen Programmen zweitverwertet, aber „allerdings gründlich überarbeitet“ (S. 11) habe. Besonders die Erinnerungen an die eigene Kindheit, die mathematisch 10 Prozent des Buches, aber gefühlt mindestens ein Drittel des Umfangs ausmachen, hätten auch unter anderem Titel veröffentlicht werden können. Unter diesem Eindruck kommt einem auch der Rest nicht mehr ganz so originär und auch nicht mehr ganz so originell vor.

Bei dem Autor und dem Untertitel („Alles über Planung, Kiellegung, Stapellauf und Betrieb eines Babys“) hätte man eher einen launigen Ratgeber als eine Sammlung satirischer Szenen und humoresker Gedankensplitter erwartet. Wer die Direktheit der Ruhrgebietler und z.B. den Stil von Frank Goosen (die andere Hälfte des legendären „Tresenlesen“ neben Jochen Malmsheimer) schätzt, wird trotzdem an dem Büchlein seinen Spaß haben. Ich mag es, wenn gewisse Typen passend als „kirchentagsgestählte Du-Aufzwinger“ (S. 56) bezeichnet oder als „verbrieft kinderlose Buchhändlerin (…), die mit beiden Beinen auf der Erde stand und sich dabei offensichtlich bisweilen auch noch mit den Armen abstützte“ (S. 71) beschrieben werden. Oder auch die Geschichte von Ludwig, dem Freund aus Kindertagen, der beim Cowboy-und-Indianer-Spielen in den 70ern wie im Fernsehen beim Anschleichen die Spannungsmusik gleich mitmachte, so dass er sich immer verriet (vgl. S. 236). Um den Vater-Alltag entspannter meistern zu können, taugt das Büchlein wenig – um jedoch dem Vater-Alltag ein bisschen zu entfliehen, eine ganze Menge.

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Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/papier-ist-geduldig-1-unterhaltsame-zweitverwertung-unter-kindlicher-perspektive/

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