Ich mag Technik. Ich mag Technik, die funktioniert. Smarte Technologie kann mich begeistern. Es war also recht naheliegend, dass auch irgendwann meine Uhr smart sein würde. Und damit die Uhr auch richtig schlau sein kann, brauchte sie eine eigene SIM Karte – alles andere sind minimalistische Remote-Displays des verbundenen Handys.

In meinem Fall war es eine Huawei Watch 2, die vor ziemlich genau drei Jahren für 300 Euro an mein Handgelenk kam. Und ich fand’s wirklich praktisch: Das leichte Vibrieren kündigte aktuelle Infos an. So konnte man Kurznachrichten direkt lesen und von E-Mails die Anfänge. Ich hatte meine Einkaufslisten und Notizen am Handgelenk. Social Media war eher sperrig und wenn ein Anruf einging, konnten sich Handy und Uhr nicht immer einigen, wer nun Vorrang hätte. Ich konnte aber so einfacher beim Autofahren telefonieren – das war praktisch, denn ich habe keine Freisprecheinrichtung. Und die Display-Beleuchtung als Taschenlampen-App hat auch manchmal geholfen, wenn im Keller die Falle der Zeitschaltuhr zuschlug. Und das alles ging ohne dass das Handy in der Nähe sein musste. Wir waren ein gutes Team – ich und meine Smartwatch.

Doch dann kam Corona – und alles wurde anders. Nein, die Uhr hat keinen Virus bekommen, aber passte auf einmal nicht mehr zu den sich verändernden Tagesabläufen und Gewohnheiten. Da ich schon über ein Jahr nicht mehr berufsbedingt Pendeln musste, war der Vorteil beim Autofahren schnell abgehakt und da ich seit März 2020 fast ausschließlich im Homeoffice sitze, wurde mein Auto noch weniger bewegt. Darüber hinaus trage ich meiner Wohnung keine Armbanduhr – vielleicht eine Marotte, aber ich habe in jedem Raum sichtbar irgendwo eine Uhr, da macht das auch keinen Sinn noch eine am Handgelenk zu tragen.

Da ich nun nicht mehr aus dem Haus ging, blieb auch meine Uhr brav im Körbchen auf dem Schuhschrank bei der Wohnungstür liegen. Wenn ich dann mal losging und nach der Uhr griff, war der Akku leer. Eigentlich immer während des Corona-Jahres. Der eingefleischte Rhythmus, dass Smartphone und Smartwatch nachts regelmäßig geladen werden, wenn der Mensch schläft, damit beide Geräte mit dem Start zur Arbeit für den ganzen Tag einsatzfähig sind, war durchbrochen. Ich bin sogar häufig mit einer energetisch toten Uhr am Handgelenk aus der Wohnung gegangen, denn auch ist eine Marotte, dass ich eine Uhr trage, wenn ich nicht in meiner Wohnung bin.

Aber es kam noch schlimmer: Wenn die Smartwatch tot war, könnte ich ja auch meine alte Armbanduhr wieder verwenden – immerhin eine Automatik einer eher teuren Uhrenmarke, die sich selber aufzieht, wenn man sie trägt. Die ist natürlich auch leergelaufen, wenn man sie länger nicht benutzt hat. Und die Batterie in der Ersatzuhr vom Uhrenhändler tut es auch nicht mehr.

Was nützt mir eine Smartwatch, wenn die ganze Intelligenz nicht mal dafür ausreicht, mir die Uhrzeit anzuzeigen, wenn ich sie brauche? Ich wollte nun lieber eine Uhr, die nichts kann außer die Uhrzeit anzuzeigen, bei der man den Batteriewechseln nicht verschlafen kann und die auch wacker weiterläuft, wenn sie ein paar Tage nicht getragen wird. Die Lösung für mich? Eine Solar-Uhr, die – laut Hersteller-Versprechen – nach ausreichender Aufladung auch in völliger Dunkelheit bis zu sechs Monaten (und länger) weiterlaufen soll. Wie doch ein Pandemie-Jahr die Ansprüche an die Gadgets völlig verändern kann.

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