OK, ich habe nichts zu sagen, weil ich Niedersachse bin. Ich bin in Goslar im Harz geboren, in Hannoversch-Münden aufgewachsen, habe meinen Wehrdienst in Buxtehude abgeleistet und meine ersten journalistischen Gehversuche bei der Gifhorner Aller-Zeitung gemacht. Alles war Niedersachsen – was keine besondere Leistung ist, denn Niedersachsen ist ein Flächenstaat und Gifhorn der größte Landkreis Deutschlands. Obwohl Hann. Münden wie ein Tropfen am südlichsten Zipfel Niedersachsens – de facto komplett von Hessen umgeben – hängt, wurde ich auf keiner meiner Stationen danach gefragt, wie weit mein niedersächsischer Status reicht: Wir alle waren sturmfest und erdverwachsen und von „Heil Dir, Windukinds-Stamm“ – da wurde nicht nachgefragt.

Ganz anders hier in Nordrhein-Westfalen! Es fängt schon damit an, dass in Bochum kein Karneval gefeiert wird und die Geschäfte am Rosenmontag geöffnet haben – einmal kurz über Wattenscheid nach Essen gerutscht, ist man im Rheinland und feiert schunkelnd Fasching inklusive Umzug am Rosenmontag. Ganz zu schweigen von Düsseldorf und Köln: Wenn es Ying und Yang nicht gebe, dann hießen die Gegensätze wie die Millionen-Metropole und die Landeshauptstadt oder Hosen gegen Höhner. Und dann noch die Diskussion über rechts- und linksrheinisch …

Zugegeben: Es gibt einen gewissen kulturellen Clash zwischen OWL und der Eifel, aber es gibt auch in Niedersachsen Unterschiede zwischen Ostfriesland und Löchow-Dannennberg – und es kümmert uns nicht. So: „Come over it, Northrhine-Westfalia!“ Wir reden über ein Europa der Regionen, vielleicht noch über ein Deutschland als Land der Ideen, aber ein Bundesland als Flickenteppich braucht kein Mensch!

Ich arbeite in einer Landesbehörde mit sechs Niederlassungen in allen Ecken und Enden NRWs – schwierig genug dabei eine Linie zu finden. Aber: He, sollten wir nicht alles auf eine gemeinsame Karte setzen? Wenn nicht wir, wer dann? Ich bin Düsseldorf und reiche Köln die Hand – und Lippstadt und Soest und Remscheid und Stollberg und Senden. Welche Hand kommt mir entgegen? Ich wäre gerne so ein Nordrhein-Westfale wie ich einst ein Niedersachse war …

Aber man glaubt, die Menschen in Nordrhein-Westfalen wollen sich gar nicht als ein gemeinsames Bundesland fühlen – und das ist schade!

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