Autor: Stefan Balázs

  • Alles neu macht der Mai

    Alles neu macht der Mai

    Ich habe den vergangenen Monat genutzt meine Online-Aktivitäten zu optimieren. Ein Projekt hatte ich für mich abgeschlossen und in diesem Zuge habe mich von der Projekt-Website, dem korrespondieren Blog und Twitter-Account verabschiedet.

    Aber nicht alle Inhalte waren für die „digitale Tonne“. Einige waren gut geklickt wurden, andere fand ich einfach relevant genug, um sie nicht gleich mitzulöschen. Aber wohin damit? Ich hatte noch zwei weitere Blog-Baustellen im Netz, die ich vorher schon nicht kombiniert hatte, weil ich dachte, dass die Zielgruppen für die Inhalte zu weit auseinanderlägen.

    Den untauglichen Versuch sich im Netz als monothematisch ausgerichtete, multiple Persönlichkeiten zu präsentieren wollte ich auch hinter mir lassen: Im echten Leben gibt es mich auch nur aus einem Guss.

    Ich verstehe mich als „Geschichtenerzähler“. Und wo werden die besten Geschichten erzählt? Richtig: Abends am Lagerfeuer! Der Ort, an dem man sich zusammen gefunden hat, bevor das Fernsehen erfunden wurde.

    In der modernen Variante eben als DigitalesLagerfeuer.de: Es leuchtet in der Nacht, es wärmt, es knistert, der Rauch vernebelt einem die Sinne und man kann sein Marshmallow darin rösten.

    team40.org gab es von 2017 bis 2019

    Unter „Digitales“ finden sich in erster Linie meine Beiträge zum Thema Digitalisierung, die zuvor auf „team40.org“ zu lesen waren. Dort hatte ich von März 2017 bis März 2019 insgesamt 30 Beiträge veröffentlicht, von denen zehn übernommen wurde.

    Davon gut die Hälfte in der Rubrik „Spielen“, in denen es um das von mir entwickelte Teambuilding-Spiel geht.

    anderesachen.blogspot.com gab es von 2012 bis 2019

    Die meisten Beiträge unter „Digitales“ stammen von meinem Blog „anderesachen“, auf dem ich von Februar 2012 bis Februar 2019 51 Beiträge vorrangig rund um Social Media und Internet-Themen veröffentlicht habe. Einige sind hier schon angekommen, andere ziehen in den nächsten Tagen nach. Ich dachte damals, es wäre doof, diese Themen mit den Themen meines Papa-Blogs „vatertage.net“ zu vermischen.

    vatertage.net gab es von 2007 bis 2016

    Dort habe ich von Dezember 2007 bis Juli 2016 insgesamt 214 Beiträge veröffentlicht. 24 schafften es, sich ans DigitaleLagerfeuer zu retten. Die Hälfte von ihnen in die Rubrik „Daheim“, die andere Hälfte – vorrangig Buch-Besprechungen – unter „Andere Sachen“ und dort als „Gelesen“.

    Der Rest war nicht mehr zeitgemäß: Wer braucht 2019 noch zehn Jahre alte Empfehlungen für Kinderwagen- und Autositzmodelle, die es schon lange nicht mehr gibt? Wer braucht im Streaming-Zeitalter noch einen Vergleich der verschiedenen Online-DVD-Verleihdienste (ja, das gab es wirklich!)? Und die Besprechungen von anderen Papa- und Familien-Blogs, die inzwischen schon lange wieder offline sind, dürfte auch niemanden mehr interessieren.

    Jetzt gibt es das DigitaleLagerfeuer.de

    Aber alles, was auch nach langer Zeit noch eine schöne Geschichte ist, wird noch länger am DigitalenLagerfeuer erzählt werden und hat dort seinen berechtigten Platz.

    So, wie auch Du, lieber Gast! Setz Dich dazu, für Dich ist immer ein Plätzchen frei am DigitalenLagerfeuer!

    Und wie geil ist das denn? Mal ein neues Blog-Projekt nicht leer, sondern bereits gut gefüllt starten zu können?

  • Über meinen Selbstversuch, nachhaltig zu mobil zu telefonieren

    Über meinen Selbstversuch, nachhaltig zu mobil zu telefonieren

    Ich habe aufgegeben! Zugegeben: Die Idee von Fairphone ist großartig, fasziniert und reißt mit: Man kann auch Smartphone nachhaltig, sozial und ethisch produzieren! Keine menschenunwürdigen Bedingungen beim Schürfen notwendiger Spezialminerale und Erze, keine Sklavenarbeit bei der Montage und transparente Lohnstrukturen – alles Dinge, von denen die großen Produzenten sagten, man müsse sie leider in Kauf nehmen und das ließe sich nicht ändern.

    Darüber hinaus ist der modulare Aufbau eine tolle Idee: Geht es etwas kaputt oder sind andere Leistungsmerkmale gewünscht, können einzelne Komponenten ausgetauscht werden ohne gleich das ganze Gerät austauschen zu müssen.

    Genutzt habe ich das nie. Das ist so, wie die Menschen, die in der Großstadt wohnen, Dir alle Theater und Museum aufzählen, die sich so einfacher besuchen könnten, ohne in den vergangenen fünf Jahren in einem der Häuser gewesen zu sein.

    Und das alles noch per Crowdfunding finanziert. Eine wirklich tolle Geschichte, an der alles dran ist, was eine gute Geschichte braucht.
    War es übrigens beim Cargolifter auch – ein landeflächigen unabhängiges Lufttransport-System, das umweltfreundlich und sicher war. Hat nur leider nicht funktioniert.

    Community-Tipp: Lösch doch die Apps…

    Das Fairphone 2 funktioniert – im Groben und Ganzen. Auch wenn die Benutzung einen gewissen Enthusiasmus erfordert. Es gibt immer wieder Bugs, die man einfach akzeptieren muss. Aktuell lässt sich das Fairphone 2 bei Laden nicht an- und generell gar nicht wieder ausschalten. Das nennt sich dann der „never-turn-off-bug“ und wird in der Online-Community dokumentiert.

    Da muss man im Sinne einer Holschuld regelmäßig nachgucken, was mal wieder nicht funktioniert und warum. Dort sind auch alle höflich und hilfsbereit und ich glaube, es gibt kaum ein Produkt, bei dem der Support vorrangig durch die Kunden gewährleistet wird.

    Schon früh stellte ich fest, dass die Akkuleistung eher enttäuschend war. Nach gut sechs Monaten musste ich das Smartphone bis zu dreimal täglich aufladen. Es schaffte dann drei bis vier Stunden bei durchschnittlicher Nutzung.

    Hilfe kam auch hier aus der Community: Lösch doch einfach die Social Media Apps von dem Handy – das sind reine Stromfresser. Am besten wäre es, dass Phone ganz ohne Apps zu benutzen – das erhöhe die Akkulaufzeiten nachhaltig.

    Das kann es aber in modernen Zeiten nicht sein. Ich weiß, dass man ein paar Einschränkungen in Kauf nehmen muss, wenn man Gutes erreichen will. Meine Eltern haben in den 1980er Jahre schrumpeliges Öko-Gemüse in abgedunkelten Kellerläden gekauft und damit dazu beitragen, dass es überhaupt erstmal einen Nachfragemarkt nach ökologisch nachhaltigen Produkten gibt. Damals zog man als Schüler auch noch einen kratzigen Norwegerpullover an, wenn das Schaf glücklich war und Freunde ihn gestrickt hatten.

    Öko kann heute auch schick und funktional sein

    Heute geht öko und nachhaltig auch in schick und funktional. Aber das sollte es dann auch sein: Ein Android-Handy, dass immer noch auf Android 7.01 läuft, während aktuelle Modelle mit Android 9 am Markt sind, ist nun leider nicht mehr zeitgemäß.

    Mag sein, dass das Fairphone 3 mit dem großen crowdfunding Erfolg im Hintergrund alles auswetzt, wo man aktuell enttäuschen muss – aber ob ich dann wieder wechsele bleibt offen. Es ist halt immer ein gewisse Leidensbereitschaft notwendig, wenn man zu den ‚Firstmovern‘ gehören will – mag sein, dass ich mich damit wieder in Mainstream verabschiedet habe, aber es nicht immer schlimm, auch mal mit dem Strom zu schwimmen bzw. sich treiben zu lassen.

    Nachhaltig ist das Fairphone auf jeden Fall in Bezug auf die Werthaltigkeit: Gebrauchte Geräte lassen sich zu hohen Preise weiterverkaufen. So gesehen musste ich für meinen Ausflug in die Welt der nachhaltigen mobilen Telefonie nicht noch extra draufzahlen.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://anderesachen.blogspot.com/2019/02/uber-meinen-selbstversuch-nachhaltig-zu.html

  • Frauen und Digitalisierung

    Frauen und Digitalisierung

    Glauben die einen, die Digitalisierung gefährde in erster Linie die Berufsfelder, die vorrangig von Frauen besetzt sind, so glauben andere, dass die Frauen zu den Gewinnerinnen der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt gehören werden. Was stimmt denn nun? Vermutlich beides.

    Während das WEF in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group im Januar 2018 prognostizierte, werden in den kommenden Jahren gut 1,4 Millionen Jobs in den USA durch die fortschreitende Digitalisierung bedroht, in denen aktuell mehrheitlich Frauen (zu 57%) beschäftigt sind (vgl. S. 13). Hier sind vor allem das Gesundheitswesen, die Buchhaltung, die Gastronomie und Erziehungsberufe zu nennen. Für einen passenden Jobwechsel böten sich ohne weitere Umschulungsmaßnahmen für Männer jedoch mehr Wechseloptionen als für Frauen an. Vor diesem Hintergrund könnten Frauen zu den Verliererinnen der Digitalisierung gehören.

    Zwei Jahre zuvor vertrat Accenture noch die gegenteilige Meinung: „Wenn Regierungen und Unternehmen die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Frauen digital kompetent werden, könnte Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz in den Industriestaaten bereits im Jahr 2040 erreicht werden, also 25 Jahre schneller als bei der jetzigen Entwicklung.“ Hintergrund seien die besseren Bildungsabschlüsse der Frauen, ein großes Interesse am Gründen, so wie hohe Bereitschaft zu arbeiten, weil Heimarbeit und Flexibilität möglich wären.

    Der DGB sieht die Situation ein bisschen differenzierter: Im Februar 2017 erschien eine Sonderauswertung zum Thema „Frauen und Digitalisierung: Chance oder Risiko?“, die zwar auch Unterschiede bei den Geschlechtern herausarbeitet, dieses aber in den unterschiedlichen Berufsprofilen innerhalb der Branchen begründet sieht. „Frauen nutzen andere Formen der Digitalisierung, weil sie andere Berufe und Tätigkeiten ausüben als Männer“, heißt es ganz klar in der Langfassung der Studie (S. 13).

    Frauen finden jedoch auch die Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung als höher (vgl. S. 15) bei gleichzeitigen Ohnmachtsgefühlen, da sie beim Einsatz der neuen Arbeitstechniken nicht mit entscheiden dürfen (vgl. S. 17f).

    Letztendlich spricht das alles für strukturelle Faktoren – weniger für individuelle Voraussetzungen, denn diese sind bei Männern und Frauen weitestgehend gleich. Wenn die Rahmenbedingungen es zulassen würden, dürfte also das Geschlecht bei der Digitalisierung eigentlich keinen Unterschied machen.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/frauen-und-digitalisierung/

  • Session auf dem #barcampDUS

    Session auf dem #barcampDUS

    Das Barcamp am eigenen Wohnort ist immer ein kleines Highlight mit persönlichen Event-Kalender. Am 19. und 20. Oktober war es nun so weit in Düsseldorf: Das #barcampDUS fand wieder mit vielen alten Bekannten im Konferenztrakt der RP Online statt. Eine gute Gelegenheit „team40“, das Teambuilding Brettspiel, vorstellen und die Barcamper zum Testspielen einzuladen.

    Bisher gab es nur Feedback von Coaches und Trainern, die das Spiel professionell einsetzen können, aber noch keine Rückmeldungen von Mitspielern in Bezug auf Verständlichkeit, Spiel-Erlebnis und -Dauer. Schließlich ist es wie beim Angeln: Der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken – also sollte auch ein Workshop-Spiel nicht nur den Moderator überzeugen, sondern auch den Teilnehmern Spaß machen.

    Die Auswertung zeigt: Das Spiel kam bei den zehn Testspieler an zwei Spielbrettern in der 45-minütigen Session am Samstag gut an. Und das trotz etwas holperiger Einführung. Nach einer gefühlt unendlichen Anzahl von Testspielen stehen Spiele-Autoren häufig mitten im Wald und sehen diesen wegen der vielen Bäume nicht mehr: Die Einordnung der Grundidee in eine Storyline wäre hilfreich gewesen und die Spielkarten vorzustellen, bevor man sie verteilt sicher auch.

    Zum Glück sind Barcamps jedoch keine Kundenpräsentationen, sondern ein ideales Testumfeld für Ideen und Konzepte und eine Probebühne für den nächsten Pitch. Dass niemand nachtragend war, sieht man auch an den insgesamt guten Bewertungen – anders herum formuliert: Das Spiel schien auch alleine überzeugen zu können, selbst wenn es nicht ganz ideal vorgestellt wurde.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/session-auf-dem-barcampdus/

  • Teambuilding als Brettspiel

    Teambuilding als Brettspiel

    Disruptive Ideen sind beliebt – einfach Dinge anders lösen als erwartet.  Im Zeitalter der Digitalisierung das Thema Teambuilding per Brettspiel zu vermitteln mag altbacken wirken, aber ist vielleicht genau deshalb gerade disruptiv.

    Was ist die Idee dahinter? Jeder Mitspieler erhält eine Aufgabe: In diesem Fall soll eine geometrische Figur in einer festgelegten Farbe zusammengetragen werden. Letztendlich muss jeder Spieler im Spielverlauf seine Lösungsstrategien neu bewerten und ggf. anpassen. Dabei gilt sind die Rahmenbedingungen so wie im echten (Berufs-)Leben: Als Einzelkämpfer kann man die höchste Anerkennung und höchste Siegprämie erringen! Aber das Risiko besteht darin, dass andere einem den Erfolg schnell streitig machen können – vor allem, wenn sie (mit dem Risiko das Punkteverlusts) mit anderen Spielern zusammenarbeiten.

    Will ich meinen eigenen Auftrag offenlegen? Will ich mir helfen lassen? Helfe ich anderen? Setze ich auf das bessere Gruppenergebnis und auf meinen Einzelerfolg? – All diese Aspekte lassen beim gemeinsamen Spielen im Team spielerisch er- und durchleben. Sie bilden eine gute Grundlage für einen gemeinsamen Teambuilding-Workshop. Wann und warum hat ein Spieler seine Strategie gewechselt? War er damit erfolgreicher? Hat sich die Teamleistung insgesamt verbessert?

    Die Regeln sind einfach, eine Spielrunde dauert ca. 30 bis 40 Minuten und drei bis sechs Spieler können an einem Spielplan spielen.

    Das Spiel kann mit einem Trainer gespielt werden, was dann Sinn macht, wenn man es als ‚Opener‘ in einem Teambuilding-Workshop einsetzt.

    Interesse an einer Testrunde? Gerne! Einfach Mail an senden.

    Die Spielidee, das Spielprinzip, die Funktion und die Gestaltung sind durch notarielle Hinterlegung geschützt:

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/teambuilding-als-brettspiel/

  • Spielend kommunizieren

    Spielend kommunizieren

    Jeder weiß, dass Kinder spielend lernen. Dass das eigentlich für alle Altersgruppen gilt, wird in regelmäßigen Abständen auch von Kommunikationsprofis immer wieder neu entdeckt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass während meines Studiums das Mitabeiterspiel von Opel „Spion im Werk“ 1992 für Aufmerksamkeit sorgte. Dabei gibt es Werbe- und Unternehmensspiele bereits viel länger: Der Kramer-Verlag hat eine lange Liste von Spielen, die von ihm als Auftragsarbeite entwickelt wurde. Darunter auch der frühe Klassiker „Das große Unternehmen Erdgas“ der vormaligen Ruhrgas AG aus 1982. Und das ist nur die Übersicht eines Spiele-Verlages. Von unzähligen elektronischen und digitalen Spielen von Unternehmen auf Datenträgern oder im Internet ganz abgesehen.

    Nun war das Thema „Spielen“ in Ausgabe 2/18 Titelthema des „Pressesprechers“, dem Magazin des gleichnamigen Bundesverbandes. Dabei ist es immer schade, wenn Begriffe unachtsamer Weise verwischt werden – da hilft auch der Titel-Beitrag von Jens Hungermann nur wenig weiter: „Kein Wunder, dass inzwischen immer mehr Unternehmen spielerische Elemente zur Motivation ihrer Mitarbeiter einsetzen. Das Zauberwort lautet ‚Gamification‘. Nicht nur, dass mit ihrer Hilfe kreative Lösungen für Probleme gefunden werden können. Gamification – also das Einbeziehen spielerischer Elemente in den Arbeitsalltag – kann außerdem helfen, öde Abläufe, etwa in der Fertigung von Produkten am Fließband, attraktiver zu machen. Die Produktivität der Mitarbeiter wird gesteigert, Monotonie überdeckt.“

    Spielen im Job wird auf diese Weise schnell unter „Gamification“ subsumiert. Dabei bezeichnet „Gamification“ die Anwendung spieltypischer Elemente in spielfremden Kontexten – also eigentlich so gar nicht das Spielen im Job, sondern eher Fortschrittsbalken bei Verarbeitungsschritten am PC, Status-Upgrades und Ranglisten bei intensiver Nutzung. Spiele im beruflichen Zusammenhang bleiben daher für mich noch immer als „Corporate Games“ eine eigene Kategorie.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/spielend-kommunizieren/

  • Führung: Spuroptimierer als Vorbilder?

    Führung: Spuroptimierer als Vorbilder?

    Jeder kennt die Situation: Man steht im Stau und ständig gibt es andere Fahrer, die durch ständiges Spurwechseln versuchen, sich in der Kolonne um ein paar Positionen zu verbessern. Wir versuchen ruhig zu bleiben, denn wir wissen ja, dass dieses „Kolonnenspringen“ nichts bringt. Wir denken, dass wir den Blödmann sowieso bald wieder eingeholt haben und sehen ihn dennoch nicht wieder.

    Ist Spurwechseln nun cool oder kacke? Fragen wir Google nach Studien, so gibt es in erster Linie Treffer zu Zitaten von Verkehrsexperten, die sagen, dass zahlreiche Studien gezeigt hätten, dass häufiger Spurwechsel die Fahr- bzw. Wartezeit nicht verkürze – so zum Beispiel in der Aachener Nachrichten oder dem Hamburger Abendblatt. Treffer zu diesen zahlreichen Studien gibt es nicht.

    Und dann gibt es noch die „MythBuster“, die es einfach mal ausprobiert und nachgemessen haben und durch Spurwechseln einfach schneller durch jeden Stau gekommen sind, in den sie hineinfuhren. Ist diese Art der Spuroptimierung doch die bessere um schneller voranzukommen?

    Eigentlich weisen diese Selbstoptimierer alle Eigenschaften auf, die am Arbeitsmarkt gefragt sind: Sie sind wendig, mobil, flexibel, spontan und dynamisch. Sie legen einen Zwischensprint ein um ein gutes Teilergebnis erzielen zu können und sind am Ende früher am Ziel. Also: Echte Top-Typen fürs Business.

    Am Ende sind jedoch vermutlich die Gemeinkosten höher: Häufiger Spurwechsel erhöht das Unfall- und Staurisiko. Der Verkehr läuft am besten, wenn alle gleich schnell und mit ausreichenden Abständen fahren. Muss ein Fahrer plötzlich bremsen, entstehen Welleneffekte, die Phantomstaus verursachen. Kai Nagel und Micheal Schreckenberger können das auch irgendwie berechnen.

    Und natürlich können nicht alle Verkehrsteilnehmer zwischen den Kolonnen hin- und herspringen – wie immer geht der Erfolg Einzelner auf die Kosten der Allgemeinheit. Am Ende geht den Sprintern auch die Puste aus: Sie sind im Dauerstress, was dauerhaft nicht gesund sind. Hier entstehen weiter Gemein- als Folgekosten.

    Ich werde vermutlich weiterhin Spurtreue zeigen und auch ans Ziel kommen – ein paar Minuten später, dafür aber mit deutlich besseren Nervenkostüm und dauerhafterer Gesundheit.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/fuehrung-spuroptimierer/

  • Digitalisierung: Jetzt erwischt es die Frauen

    Digitalisierung: Jetzt erwischt es die Frauen

    Den allumfassenden Charakter der Digitalisierung stellt eigentlich niemand in Frage. Es wurden Produkte, Prozesse und Professionen betrachtet und bewertet. Ganze Branchen werden in Frage gestellt. Es geht um Alter und Bildungsabschlüsse der Belegschaft. Bei allen soziologischen Betrachtungen rückt irgendwann das Geschlecht in den Betrachtungswinkel – es scheint immer noch eine der augenscheinlichsten Variablen zu sein, die unsere Welt einteilen.

    Man könnte hoffen, dass dies nicht mehr zeitgemäß sei, aber es gilt auch für die Digitalisierung und die zukünftige Arbeit in der Welt von Morgen. Aktuell rückte dies eine Untersuchung des WEF in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group im Januar 2018 in den Fokus. Im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels in Davos wurde die Studie „Towards a Reskilling Revolution. A Future of Jobs for All“ veröffentlicht, in der es im Kern eigentlich nicht um Geschlechter-Rollen geht, sondern um – wie es im Vorwort von Klaus Schwab heißt –  „a new approach to identifying reskilling and job transition opportunities, including those that might not be immediately apparent.“ (S. 1)

    Auf Basis US-amerikanischer Arbeitsmarkt-Daten wurde mit einem Big-Data-Analyse-Verfahren versucht „to break down jobs into a series of relevant, measurable component parts in order to then systematically compare them and identify any gaps in knowledge, skills and experience.“ (S. 4) So konnte man Berufsgruppen und Arbeitsfelder identifizieren, die vergleichbare Qualifikationen erfordern. Im Falle von Veränderungen des Arbeitsmarktes durch zum Beispiel Digitalisierung lässt sich dann zeigen, mit welchen Aufwand welche Arbeitskräfte aus wegfallenden Berufsfeldern in wachsende Arbeitsbereiche wechseln könnten: „Therefore, the core of our data-driven approach to assessing the viability of a job transition consists of calculating the similarity between the requirements of two jobs in order to compute an objective ‘similarity score’ between them.“ (ebd.) Bei einem ‚good fit‘ dürften die Umschulungsaufwände geringer sein.

    Gut 1,4 Millionen Jobs seien in den USA durch die fortschreitende Digitalisierung bedroht, in denen aktuell mehrheitlich Frauen (zu 57%) beschäftigt sind (vgl. S. 13). Hier sind vor allem das Gesundheitswesen, die Buchhaltung, die Gastronomie und Erziehungsberufe zu nennen. Für einen passenden Jobwechsel (‚good fit‘) böten sich ohne weitere Umschulungsmaßnahmen für Männer jedoch mehr Wechseloptionen als für Frauen an. Vor diesem Hintergrund könnten Frauen zu den Verliererinnen der Digitalisierung gehören.

    Spiegel-Online stellte diesen Aspekt in den Vordergrund und titelte am 22.01.2018: „Digitalisierung gefährdet vor allem Jobs von Frauen.“ Die FAZ relativierte diese Aussage am Folgetag und stellte die Frage: „Digitalisierung: Leiden Frauen oder Männer?“ Die Antwort war recht simple (und logisch): Eigentlich beide. Hintergrund der Frage war, dass zeitgleich zu der WEF Studie eine andere Studie prognostizierte, dass Computer vor allem die Arbeitsplätze von Männer gefährden würden. Eines hätten beide Studien auf jeden Fall gemeinsam: „Sie sind Prognosen, es ist noch nichts eingetreten.“

    Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass viele von Männern dominierten Berufsfelder bereits erste Automatisierungs- und Digitalisierungswellen durchlebt haben und künftig nun eher Berufsfelder in den Fokus rücken, die eher von Frauen besetzt sind. Das Fazit gibt auch die Richtung vor: „Diese Arbeitsmarktentwicklung passt zu einem Trend, der in den vergangenen Jahren deutlich wurde: körperliche und technische Arbeit wurde zum Teil zwar noch hoch bezahlt, deutlich wurde aber auch schon, dass angesichts des technischen Fortschritts soziale Fähigkeiten wichtiger wurden – Fähigkeiten, die eher den Berufen zugeschrieben werden, die oft von Frauen ausgeübt werden.“

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/digitalisierung-jetzt-erwischt-es-die-frauen/

  • Online-Überweisungen spalten die Nation

    Online-Überweisungen spalten die Nation

    Müssen wir uns Sorgen um den Standort Deutschland machen? Die Digitalkompetenz innerhalb der deutschen Bevölkerung reicht nicht sehr weit, um das „Neuland“ zu erobern. Darauf verweisen zumindest die Zahlen aus dem D21-DIGITAL-INDEX, die statista.de zu einer Infografik zusammengefasst hat, die seit ein paar Tagen in Social Media rauf- und runtergeteilt wird.

    Erst wollte ich diese auch nur „re-tweeten“, dann habe ich mir die Zahlen noch mal genauer angesehen und mir gedacht, dass man hier vermutlich mehr als 240 Zeichen Kommentierung spendieren sollte. Die Liste der „Kompetenzen“ ist eher kleinteilig und umfasst eher „Können“ (als eingeübte Lösungen) als „Kompetenzen“, die eher Lösungsfähigkeiten abzielen. So ist zum Beispiel fraglich ob ‚regelmäßige Updates von Antivirensoftware‘ sowie der ‚regelmäßige Password-Wechsel‘ tatsächlich Kompetenzen im engeren Sinne sind oder nicht nur Ausprägungen eines dahinter stehenden Kompetenzfeldes wie „Sicherheitsbewusstsein“ sind.

    Aber das sind nur Mutmaßungen – die Infografik gibt keine weitergehende Hinweise. Es lässt sich auch vermuten, dass hinter der Verteilung eine kontrollierende Drittvariable steckt: Ich denke, dass hier das Alter der Befragten eine große Rolle gespielt hat, ob und welche Kompetenzen sie bei sich im Umgang mit digitalen Medien selbst zu schreiben – mit allen empirischen Risiken die Studien mit Selbsteinschätzungen an sich bergen.

    Mindestens ein Drittel der Befragten kann so gut wie gar nichts online: Im Segment „niedrige/keine Kompetenz“ liegt der geringste Anteil bei 26, der Höchste bei 81. Bereits bei Online-Überweisungen endet die Digitalkompetenz der Hälfte der Deutschen.

    Nur jeder Zweite schätzt sich in der Lage Inhalte in soziale Netzwerke einzustellen – man sollte meinen, dass das inzwischen einfacher als Lesen und Schreiben sei. Um so überraschender empfinde ich den verhältnismäßig hohen Anteil von Personen, die meinen, Werbung erkennen zu können – aber Selbstüberschätzung ist bei Selbsteinschätzung auch nicht ungewöhnlich.

    Tatsächlich, weiß ich nicht was diese Daten eigentlich sagen: Zum einen dokumentieren sie sicher einen hohen Grad an Unsicherheit mit digitalen Medien. Zum anderen gibt es scheinbar noch jede Menge zu tun…

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/online-ueberweisungen/

  • Abstrampeln war gestern…

    Abstrampeln war gestern…

    Ich nehme an, dass ihr die Fabel von Äsop mit den zwei Fröschen, die in die Milch fallen, alle kennt. Der Erste ergibt sich seinem Schicksal, geht unter und ertrinkt. Der Zweite strampelt sich ab und kann sich erschöpft auf einen Butterklumpen retten, den er durch das Milchtreten erzeugt hat.

    Ein schönes Bild, das häufig bemüht wird: Gib nicht auf! Strampel Dich ab! Du wirst es überleben – und am Ende liegst Du japsend auf dem Butterberg…

    Lange Zeit habe ich das auch geglaubt. Der erstrampelte Butterkloß unter den Füßen war so etwas wie ein Plateau beim fortwährenden Aufstieg, eine Zeit durchzuatmen, wieder zur Puste zu kommen, um dann den schweren Stein wieder bergan rollen zu können.

    Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel werden uns auch als Butter präsentiert: Es ist die besinnliche Zeit, um wieder zur Besinnung zu finden.

    Ich habe auch lange geglaubt, dass diese Metapher auch für den Lebenszyklus gelten würden. Ihr wisst schon: Die Sachen mit dem Säen und dem Ernten, dem Aufbauen und dem vor dem offenen Kamin-Sitzen… Ich dachte, irgendwann macht es ‚Plopp‘ und es geht nur noch sanft bergab durch sattgrüne Wiesen und Auen.

    Dem ist aber nicht so! Abstrampeln war gestern – jetzt heißt es Dauerstrampeln! Es gibt keine Pause, keinen Butterkloß und kein Plateau. Es wird immer schlimmer, immer steiler. Gut, dass wir schon so viele Jahre gestrampelt haben: So haben wir eine gut trainierte Beinmuskelatur und können pausenlos weiterstrampeln, um nicht unterzugehen.

    Äsop hat vor zweieinhalbtausend Jahren gelebt. Da war Milch noch Rohmilch und ließ sich durch Stampfen in Rahm und Butter verwandeln. Unsere homogenisierte, paseurisierte Milch von heute kann gestampft und gestoßen werden – außer Herumspritzen wird dabei nicht viel passieren. Das gilt auch für unsere modernes Leben: Es ist wurde ultrahoch erhitzt und zum Einheitsbrei gepresst – da kannste strampeln wie die willst, da passiert nichts.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://anderesachen.blogspot.com/2017/12/abstrampeln-war-gestern.html