Kategorie: Andere Sachen

  • Restaurant „Schote“ bezieht Stellung

    Restaurant „Schote“ bezieht Stellung

    „Urban Legends“ sind Untote: Als Wiederkehrer können sie uns an allen Orten zu jeder Zeit anfallen – so richig sicher darf sich niemand fühlen. Mit ein bisschen Nachdenken und unter Zuhilfenahme von Internet-Suchmaschinen lässt sich aber jede moderne Wandersage leicht entkräften. Dennoch halten sich diese „FOAF tales“ hartnäckig.

    Was ist dran und wie geht man als Betroffener damit um? Das wollte ich genau wissen und habe daher im Nelson Müllers Restaurant „Schote“ in Essen-Rüttenscheid nachgefragt, dem immer wieder nachgesagt wird, Gästen wegen Tellertauschens Hausverbot zu erteilen. Der Restaurantleiter Dennis Zerbe hat geantwortet.

    Es tauchen immer wieder Geschichten auf, dass Gäste des „Restaurants Schote“ beim Verlassen eine Zettel mit dem Hinweis „Bitte beehren Sie uns nie wieder“ erhalten hätten. Insbesondere, weil sie Teller zum Probieren der Gerichte getauscht hätten. Ist da was dran?

    Dennis Zerbe: Es liegt in unserem Interesse, nein, es ist ein tiefes Bedürfnis, zu dieser Mär etwas Fundiertes beizutragen. Zunächst möchten wir zu 100% festhalten und mit Bestimmtheit sagen, dass solche Karten, ähnliche Hinweise oder annährend formulierte Dareichungen noch nie in unserem Hause verteilt wurden!!!

    Aber Tellertauschen gefällt Ihnen sicher nicht. „Übersehen“ Sie solch ein Verhalten bei Gästen oder wird dies angesprochen?

    Dennis Zerbe: Tellertauschen? Wissen Sie, der Gast schafft sich doch seine eigene Atmosphäre, und er steht im Fokus jedes Tun und Handelns. Und viele Philosophien von Dienstleistern, egal welcher Branche, ist doch, den Kunden/Gast ein wenig nach-Hause-Stimmung zu vermitteln. Die Gastronomie, die einen hohen Anspruch an sich hat, hat mit dem Klischee zu kämpfen, elitär und steif zu sein. Allerdings ist die Regel eine andere. Lockerheit, gepaart mit Know-how und Empathie. Diese Ambition haben wir. Gemeinsam genießen macht doch mehr Spaß, und man kann diskutieren. Im Zeitalter, in dem manche Gespräche vielleicht ins Stocken geraten, doch eine willkommene Abwechslung. Insofern wird ein Tellertausch bei uns zu 100 % nicht registriert.

    Wäre es denkbar, dass ein Restaurant, Besuchern, die nicht zur Kernzielgruppe gehören, empfehlen nicht wieder zu kommen? Und wie würde man dies mitteilen?

    Dennis Zerbe: Die Restaurantdienstleistung hat im Vergleich zu allen anderen Serviceberufen mit Sicherheit eine Ausnahmestellung. Dies bedeutet, man kann pauschal 99% aller Dienstleistungsbranchen miteinander vergleichen, das 1% welches übrig bleibt, nämlich das Restaurantwesen, wird mit ganz anderen Augen betrachtet, und so wird auch dementsprechend versucht, mit Fingerspitzengefühl zu agieren. Die sternegekrönten Restaurants nehmen Jahr für Jahr immens zu. Meinen Sie wirklich, da kann man es sich erlauben, eine gewisse Zielgruppe nicht ansprechen zu wollen, so lange mit Gastgebern respekt- und niveauvoll umgegangen wird?! Nein. Wir würden natürlich einem Gast mitteilen, wenn er andere Gäste und /oder uns durch eine gewisse Lautstärke und Niveauabfall in der Sprache belästigt, eine Stufe runterzufahren. Die Kernzielgruppe ist doch ganz einfach erläutert: Menschen, die gerne genießen. Menschen, die Gesellschaft mögen. Menschen, die sich durch eine gewisse charmante Gastfreundschaft umsorgt fühlen möchten.

    Wie gehen Sie mit solchen rufschädigenden Legenden-Bildungen um? Gehören diese zum Geschäftsrisiko oder versuchen Sie aufzuklären?

    Dennis Zerbe: Dazu erhalten wir eine Vielzahl von Emails. Zwischenzeitlich gab es diesbezüglich auch Anrufe, oder wir wurden persönlich im Restaurant darauf angesprochen. Egal wie wir damit konfrontiert werden, geben wir folgenden kleinen Aufsatz mit:

    Skandal: „Bitte beehren Sie uns nicht wieder!“

    Unglaubliche Geschichtenklingen häufig einfach zu gut, um erfunden zu sein.

    Kennen Sie die Geschichte von George Turklebaum? Der Mann mit dem lustigen Namen war Angestellter in einem New Yorker Lektorat. Seit mehr als dreizig Jahren hatte er tagtäglich Bücher, Dokumente und Artikel korrigiert. Er war stets der erste, der ins Büro kam, und der letzte, der ging. An einem Montag erlitt George einen Herzanfall und starb, ohne dass einer seiner dreiundzwanzig Kollegen dies bemerkte. Erst fünf Tage später entdeckte eine Putzfrau den leblosen Mann in seinem Drehstuhl. Die britische Times, der Guardian, die Daily Mail und der BBC – sie alle berichteten über den einsamen Tod von George Turklebaum. Haben Sie wirklich noch nie von dieser Geschichte gehört?

    Wenn doch, dann gibt es etwas Anderes, dass Sie vielleicht nicht wissen: Der Mann hat nie gelebt. Seine Geschichte vom unbemerkten Tod ist frei erfunden. Sie ist das klassische Beispiel einer Großstadtlegende. Diese „Urban Legends“ – wie man sie auch nennt – werden in der Regel wie alle Sagen, Mythen und Märchen von Mund zu Mund und jedes Mal ein bisschen bunter weitererzählt. Nur äußerst selten allerdings, so eben im Fall von George Turklebaum, tragen namhafte Medien zu ihrer glaubwürdigen Verbreitung bei.

    Eine der nachhaltigsten Großstadtlegenden hat ihren Ursprung in der Spitzengastronomie. Ich selbst habe sie schon oft gehört, aber noch nie darüber gelesen. Die deutsche Erstversion, die mir vor vielen, vielen Jahren zu Ohren kam, drehte sich um Schloss Lerbach und Dieter Müller. Zugetragen wurde mir dieselbe Geschichte dann später über Heinz Winkler, Jean-Claude Bourgeuil, Helmut Thieltges, Hans Haas und Klaus Erfort, um nur einige zu nennen. Sie endete immer mit einem Hausverbot nach einem Restaurantbesuch, für das die Gründe stets variierten. Mal wurde es ausgesprochen, weil nicht alle Gäste am Tisch ein Menü gegessen hatten, ein anderes Mal, weil nur Wasser, aber kein Wein bestellt worden war oder weil ein Gast vom Teller des anderen probiert hatte.

    Jeder, der mir diese Geschichte erzählte, verbürgte sich für die unbedingte Glaubwürdigkeit seiner Quelle. Stets war es einem alten Bekannten oder gar einem Verwandten widerfahren, dass ihm zum Wechselgeld der beglichenen Rechnung ein Kärtchen mit der unmissverständlichen Mitteilung „Bitte beehren Sie uns nicht wieder“ serviert worden war. Das Wörtchen „nicht“ doppelt oder gar dreimal unterstrichen – je nachdem, ob es sich beim strafenden Patron um einen Zwei- oder Drei-Sterne-Koch handelte.

    Auch Fernsehkoch Johann Lafer, so wurde kolportiert, überreicht diese Aufforderung zur Rechnung; allerdings – ein delikates Detail! – im goldenen Umschlag. Und derzeit hochaktuell flüstert sich die Geschichte mit neuer Facette zum unternehmerisch erfolgreichsten Koch des Landes durch unsere kulinarische Klatschzone: Ein guter Bekannter ging mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar zur Feier seines fünfzigsten Geburtstages zu Alfons Schuhbeck in die Südtiroler Stuben am Münchener Platzl. Nach freundlichem Empfang und Aushändigung der Speisekarten fragte er nach, ob er nicht eine Empfehlung vom Chefkoch bekommen könne. Sehr wohl, der Herr, stand bald darauf Schuhbeck persönlich am Tisch. Die Gäste waren sich rasch einig und folgten dessen Empfehlung.

    Bei einem der servierten Gänge griff die Frau mit der Gabel auf den Teller ihres Mannes, um etwas zu probieren. Dies gefiel dem Maître ganz und gar nicht. Er kam an den Tisch und ermahnte die Leute, dass man so etwas in einem feinen Restaurant nicht tue! Am Schluss, als die Rechnung kam, bemerkte der Mann erstaunt, dass die Beratung des Chefkochs unter „Empfehlung“ mit 65 Euro berechnet worden war. Er fragte nach, man diskutierte, er akzeptierte am Ende. Dann verließen die Gäste das Restaurant, begleitet vom Maître, der dem Mann an der Tür einen Brief übergab. Der Inhalt: Man bedankte sich für den Besuch und bat die Gäste, nicht mehr wiederzukommen, weil sie für das Restaurant zu wenig Stil hätten.

    „Don’t come back card“ – so heißt in den USA das Pendant zur deutschen „Bitte beehren Sie uns nicht wieder“-Aufforderung. Man vermutet, dass sie in den 1950er Jahren ihre Geburtsstunde hatte. Erstmalig tauchte sie in Gesprächen über das Restaurant Canlis in Seattle auf, das noch heute, sechzig Jahre später, eine hoch exklusive Adresse für Fine Dining ist. Aber obwohl Peter Canlis ebenso wie seine Erben eine Belohnung von tausend Dollar demjenigen versprochen haben, der eine solche Karte bringt, hat sich bis heute niemand gemeldet. Die böse Botschaft bleibt unsichtbar wie das Ungeheuer von Loch Ness.

    Die Moral: Sollte Ihnen jemand von einem Restaurant berichten, in dem ihm die Sache mit der „Don’t come back card“ widerfahren sei, können Sie eines glauben: Dieses Restaurant hat sich die höchste Form der Anerkennung verdient.

    Als Untermalung dieser Mär möchten wir darauf hinweisen, dass vor wenigen Wochen eine eigens einberufene Pressekonferenz in Osnabrück organisiert wurde. Initiator dieser war Thomas Bühner, 3***- Koch im Restaurant La Vie. Er musste diesen aktiven Weg gehen, weil Ihm aufgrund zahlreicher Gast-Konfrontationen mit dieser angeblichen Karte eine Rufschädigung entstand, und er Ihm ein Gast sogar – nur aufgrund „ich habe gehört“ – gerichtliche Schritte androhte.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://anderesachen.blogspot.com/2014/01/restaurant-schote-bezieht-stellung.html

  • Urban Legends: Schoten über die „Schote“ – aber nicht zum Lachen

    Urban Legends: Schoten über die „Schote“ – aber nicht zum Lachen

    Ich bekenne mich schuldig. Dabei hätte ich etwas ahnen sollen: Ich habe mit großer Begeisterung alle Bücher von Rolf Wilhelm Brednich gelesen

    • Die Spinne in der Yucca-Palme
    • Das Huhn mit dem Gipsbein
    • Die Ratte am Strohhalm
    • Die Maus im Jumbo-Jet
    • Der Goldfisch beim Tierarzt
    • Pinguine in Rückenlage

    und trotzdem habe ich mich für einen Augenblick anfixen lassen, obwohl ich es hätte wissen müssen. Also bekenne ich mich schuldig, sorge nun aber auch für Aufklärung. Wir alle sind dafür empfänglich, das zu glauben, was uns gefällt.

    Im Kollegenkreis unterhielten wir uns neulich über Restaurants in Essen. Dabei kommt man schnell auf das Restaurant „Schote“, das Stammhaus Nelson Müllers als eine der besseren Adressen der Ruhr-Stadt. Schon fielen die Schlagworte „teuer“, „elitär“ und „unfreundlich“. Man sei ja selber noch nicht dort gewesen, aber Freunde von Bekannten, die dort neulich waren, hätten beim Verlassen des Restaurants einen Zettel mit dem Hinweis „Beehren Sie uns nicht wieder“ erhalten. Und das, nachdem sie die hohe Rechnung auch noch durch ein üppiges Trinkgeld aufgerundet hätten. Und warum das Ganze? Sie hätten ihre Teller getauscht, um von den treuen Luxusgerichten jeweils probieren zu können und somit gegen die Hausordnung des Sterne-Restaraurants verstoßen.

    Die klassische Konstruktion eines „FOAF tale“ – Geschichten, die dem Freund eines Freundes passierten – da hätte man schon hellhörig werden müssen. Spontan sagte ich aber: „Ich will diesen Zettel!“ Und überhaupt: Wenn es diese Zettel gibt, warum hat man ihn dann noch nicht in keinem der üblichen Social Networks gesehen? Die Leute „instagrammen“ doch heutzutage alles…

    Aber offensichtlich fiel diese Geschichte bei mir auf fruchtbaren Boden, der mit eigenen Erfahrungen ausreichend gedüngt war. Im Rahmen des jährlichen Restaurant-Karusells in Essen war ich vor Jahren auch zum mehrgängigen Menü im Restaurant „Schote“. Die Idee dahinter ist, dass die Restaurants der Stadt vergünstigte Menüs zum Kennenlernen ihrer Küchenkunst anbieten. In anderen Städten heißt das anders, funktioniert aber genauso.

    Es war also sehr viel günstiger als sonst, aber gefühlt immer noch recht teuer. Vielleicht setzt eine Art Stigmatisierung ein: Man weiß, nicht zum üblichen Publikum zu gehören und schon fühlt man sich latent beobachtet und ein Stückchen oberflächlicher behandelt, ohne das dies den Tatsachen entsprechen muss. Tatsache hingegen war, irgendwas mit dem Nachtisch nicht ganz stimmte: Ich war der Meinung, dass etwas das laut Karte hätte „halbgefroren“ sein sollen auf unser eher noch sehr „tiefgefroren“ wirkte und irgendwo ein Stückchen Papier (von einer Arbeitsunterlage) klebte, was da sicher nicht hingehörte. 

    Diese Erinnerungen ließen mich reflexartig auf die Geschichte anspringen. Sofort fragte ich bei Twitter, wer unter meinen Followern diese Geschichte auch gehört hätte und erhielt prompt eine latente Bestätigung – zumindest keine Zurückweisung:

    Schnell gegoogelt, wird weiteres Öl ins Feuer gegossen: Auf lokalkompass.de wird dieselbe Anekdote zum Besten gegeben – wobei die antwortenden Kommentare bereits auf das Land der Legenden verweisen.

    Und schnell verdichten sich die Spuren die auf moderne Märchen-Dichtung deuten:

    Damit könnte man die Beweisführung abschließen – und ich hatte mich ja auch bereits gleich von Anfang an „schuldig“ im Sinne der Anklage bekannt.

    Aber da „der Fall“ der mit dem Restaurant „Schote“ begonnen hatte, sollte er auch mit einer Stellungnahme des Hauses fallabschließend ad acta gelegt werden.

    Um so mehr freue mich, dass ich von Denis Zerbe, dem Restaurantleiter, auf meine Interviewanfrage eine ausführliche und umfangreiche (und sehr freundliche) Rückmeldung bekommen habe, die ich hier auch veröfffentlich darf. Und ich kann euch sagen, dass die Mitarbeiter des Restaurant „Schote“, solche Geschichten keineswegs für ‚Schoten‘ halten, denn darüber können Köche schon lange nicht mehr lachen. Das ist aber eine weitere Geschichte…

    Fortsetzung folgt…

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://anderesachen.blogspot.com/2014/01/urban-legends-schoten-uber-die-schote.html

  • Die Packstationen von DHL sind kosmisch: Schwarze Löcher, in denen alles verschwindet

    Die Packstationen von DHL sind kosmisch: Schwarze Löcher, in denen alles verschwindet

    Wie erklärt man einem Laien, das Prinzip „Packstation“? Am besten so: Die Packstation ist ein schwarzes Loch, das alle Energie aufsaugt – Deine Pakete, Dein Geld, Dein Nervenkostüm. Und wie macht sie das? In dem sie gar nichts macht – und das macht sie perfekt.

    Ich habe mich beim Service der Packstationen über http://www.paket.deangemeldet, weil ich meine Nachbarn mit meinen Bestellungen und Postsendungen nicht belästigen wollte. So weit, so gut. Ich habe direkt nach der Anmeldung einen ersten Online-Kauf an die Packstation adressieren lassen. Mein Fehler, denn ich hätte die Zustellung meiner Abholkarte abwarten müssen. Also: Paket rein in die Packstation, Paket raus aus Packstation. SMSe, dass der Dienst nicht funktioniere und gebührenpflichtige Anrufe auf der Hotline, weil ich keine Handyflat fürs Festnetz habe – die Telekom hat meine Leitung ruiniert, aber dafür kann die Post ja nichts. Nach ca. sechs Anrufen auf der Hotline, war das Paket in der Packstation und ich im Besitz meiner Abholkarte. Dann kam ein „mTan“ auf dem Handy an und direkt danach eine SMS, dass ich für alle Services an den Packstationen gesperrt sei.

    Erste Auskunft der Hotline: „Bitte ignorieren Sie den Sperrungshinweis einfach.“ Kann man machen, aber dann bekommt man sein Paket auch nicht. Er folgen erneute Anrufe auf der Hotline. Nun heißt es, man löse eine neue „mTan“ aus, die aber auch nach vier Werktagen noch nicht eingetroffen ist. Dann schwenken Hotlines in der Regel auf eine andere Strategie um: Es kann nicht sein, was erklärbar ist. Tenor: „Sie irren sich, lieber Kunde!“ – Vielleicht erwarten Sie keine Sendung? Oder sie haben eine SMS mit einer Tan von uns gelöscht? Es kann eben nicht sein, was nicht sein soll.

    Irgendwann erreicht mich nach ca. zehn Tagen nach einer Bestellung bei Amazon, die ich an die Packstation adressiert hatte, eine E-Mail von DHL. Meine Sendung sei mit der Nummer xyz123 zu mir unterwegs. Eine Info der Packstation erhalte ich nicht. Ich erhalte auch eine Woche später keinerlei weitere Info zu dieser Sendung, die ich längst bezahlt habe.

    Ich möchte mich zur Sendungsverfolgung auf http://www.paket.de einloggen. Das geht nicht. Ich sehe nur eine Eieruhr. Erklärung dazu über Twitter: „Dann haben Sie offensichtlich Ihr Passwort vergessen.“ Also klicke ich vorsichtshalber auf „Passwort vergessen“ und gebe meine E-Mail-Adresse an. Eine E-Mail zum Zurücksetzen der Zugangsdaten erreicht mich nie. Warum? Keine Ahnung.

    Eine Stunde später erhalte ich eine E-Mail eines ebay-Verkäufers. Seine Ware, die ich käuflich erworben haben, wurde von der Packstation als unzustellbar abgewiesen…

    Verstehen Sie jetzt was ich meine? Ich komme gerne auf den Anfang zurück: Packstationen sind ein schwarzes Loch. Ein Service, der attraktiv klingt, aber nicht funktioniert.

    Ich werde künftig meine Paketpost wieder lieber an eine Wohnadresse schicken lassen, auch wenn ich weiß, dass ich nicht da bin und sie deswegen zur Abholung in der Postfiliale hinterlegt werden wird. Es wäre auch anders gegangen, aber die DHL will scheinbar irgendwie nicht – dann will ich auch nicht mehr.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter https://anderesachen.blogspot.com/2013/11/die-packstationen-von-dhl-sind-kosmisch.html

  • Er kam mit dem Buch…

    Er kam mit dem Buch…

    Es gibt Kinderbücher, die wurden vermutlich für Erwachsene geschrieben. Jedenfalls bin ich der größte Fan von „Er kam mit der Couch“ von David Slonim. Nicht nur, dass uns der blaue Typ besonders gut gefällt, sondern die ganze Geschichte ist recht liebevoll erzählt und gemalt und hat zwei herrliche Wendungen. Inwieweit das kindgerecht und pädagogisch wertvoll ist, weiß ich nicht, aber bei Eltern kommt der Spaß beim Vorlesen mit dieses Buches bestimmt an.

    Diesere Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/kinderbuch-6-er-kam-mit-dem-buch/

  • Grausame Frauen

    Grausame Frauen

    Ich neige der Unterhaltungslektüre zu – was mitunter auch mal sehr obskure Bücher auf meinen Lesestapel spült. Jüngstes Strandgut: „Tyranninnen. Grausame Frauen der Weltgeschichte“ von Helmut Werner aus dem Jahre 2010.

    Ein Personal-Trainer hatte uns mal erzählt, dass die Geschichte der Menschheit eigentlich nur auf der Geschichte eines guten Dutzends einflussreicher Frauen basiere, die mit ihren Entscheidungen die Geschicke der menschlichen Rasse nachhaltig beeinflusst hätten. Das klang unterhaltsam und dazu wollte ich was lesen. Also habe ich eine handvoll passender Suchbegriff bei Amazon eingehackert und heraus kam: „Tyranninnen. Grausame Frauen der Weltgeschichte“ – also eher die dunkle Seite der Macht.

    Macht nichts: Lesen wir einfach mal das. Es war richtig guter Schund! Alle Vorurteile und üblen Nachreden wurden gesammelt wiedergegeben. Geschichte ist eben immer auch nur die Geschichte derer, die sie aufschreiben. Und so wundert es nicht, dass in Zeiten männlich dominierter Gesellschaftsstrukturen, die Herrschaft von Frauen etwas ganz Ungeheuerliches war und die vorrangig männlichen Chronisten den Damen alles andichteten, was Ihnen gefiel bzw. eben nicht gefiel.

    Vermutlich wäre die Geschichtssammlung männlicher Tyrannen viel umfangreicher und grausamer – aber das war ja auch vormals normal. Eigentlich haben die meisten dieser Herrscherinnen auch nichts anderes gemacht: Gegner ausgeschalten lassen, Affairen gehabt und ein bisschen in Saus und Braus gelebt. Darüber hinaus gab es meistens aber auch recht gute Reformen und properierende Zeiten für Volk und Nation.

    Am interessantesten fand ich das Kapitel über russische Zarin Katharina, die Große. Hier hätte ich nach all den seichten Schmuddeladaptionen ihrer Lebensgeschichte, die gerne mal im Privatfernsehen nach Mitternacht liefen, die volle Breitsseite erwartet. Es gibt aber nur eine Liste mit knapp acht Liebhabern, die alle deutlich jünger als sie waren – es tyrannisch wirkt das nicht.

    Ansonsten ist das Buch eine kurzweilige Märchenstunde mit ein paar Schauder-Effekten – Unterhaltungsliteratur eben. Noch besser hätte es mir gefallen, wenn der Autor auf dem Schmutztitel die Widmung „Für Mutti“ platziert hätte.

    Das Buch bei Amazon

    Der Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/was-es-sonst-noch-gibt-9-grausame-frauen/

  • Jungen-Katastrophe

    Jungen-Katastrophe

    Als Vater zweier Jungen war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich das Buch von Frank Beuster lesen würden: „Die Jungen-Katastrophe. Das überforderte Geschlecht“ aus dem Jahr 2006 ist fast schon ein Klassiker. Die Thesen dürften nicht nur bereits eine gewisse öffentliche Karriere hinter sich haben, sondern sind auch äußerst gut nachvollziehbar: Immer mehr Jungen wachsen ohne männliche Rollenvorbilder auf – weil die Väter nicht mehr in den Familien leben und in den ersten Lebensjahre vorrangig Frauen als Erzieherinnen in Kindergärten und Lehrerinnen in den Schulen tätig sind. Dann werden sie auch noch in eine Umwelt entlassen, die eine Frauen- aber keine Männerförderung kennt. Das macht es Jungen schwer(er) ihre Rolle im Leben zu finden.

    So weit, so gut. Und deswegen finde ich es auch klasse, dass es im Kindergarten einen Erzieher und immer wieder regelmäßig männliche Praktikanten gibt. Ob das Buch zu diesem Thema knapp 350 Seiten haben muss, ist jedoch fraglich: Die Argumentationslinie ist sehr unsystematisch und der Autor hüpft von Höckchen zu Stöckchen.

    Ich habe das Buch ganz gelesen und kann bestätigen, dass es bis zum Ende so bleibt. Insbesondere den letzten Teil „Diagnose Junge – und die Medizin?“ (S. 296ff) fand ich fast schon wirr. Meistens klingt Frank Beuster so wie ein engagierter Grundschullehrer mit Spaß und Freude an Wortwitzen uns Sprachspielereien – das liegt aber vermutlich daran, dass Frank Beuster ein engagierter Grundschullehrer ist.

    Auch wenn man Zitate nicht aus dem Zusammenhang reißen sollte, haben mich zwei Stellen aber bereits beim Lesefluss etwas verwundert. Auf Seite 207 fragt der Autor: „Werden Frauen und Homosexuelle in Zukunft Gewinner sein, wenn es um die Verteilung der immer weniger werdenden Arbeitsplätze geht?“ und auf Seite 255 lautet seinen Frage: „Sind Frauen inzwischen die besseren Männer?“ Das mag rhetorisch gemeint sein, wirkt aber überflüssig. Dafür zweimal ein „Nein!“ von meiner Seite.

    Website zum Buch

    Das Buch bei Amazon

    Der Beitrag ist zuerst erschienen unter http://www.vatertage.net/papier-ist-geduldig-10-jungen-katastrophe/

  • Berufsnörgler

    Berufsnörgler

    Neulich stieß ich im Bücherladen auf den provokanten Titel „Kinderkacke“. Der spontane Blick ins Buch ließ mich im Abschnitt „Sonntag mit Schrecken“ (S. 147ff) landen und die Schilderung der Angst der Eltern vor dem Wochenende traf einen leidgeplaten Nerv.

    Leider traf dann die vollständige Lektüre ein ganzes Bündel Nerven, weil die fortgesetzte Lektüre genau auf die selben ging. Ein Berliner Elternpaar, dass in den hedoistisch geprägten 1990er Jahre jung war (Gerhard Schulzes „Erlebnisgesellschaft“ lässt grüßen) findet alles Familiäre doof, weil es keinen Spaß macht. Jedem, der seine Kinder liebt, gehen die kleinen Monster auch irgendwann gewaltig auf den Keks und wer anders behauptet, der lügt.

    Das lässt sich auch sicher in einen lockeren Text verpacken. Was aber aus der lockeren Verpackung der „Kinderkacke“ quillt, ist tatsächlich an vielen Stellen eine solche. Die Idee als Mutter und Vater in verteilten Rollen aus der jeweiligen Perspektive zu schreiben hat einen gewissen Charme. Auch das aus dem Bayerischen bekannte chronische „Granteln“ ist ein unterhaltsames, denn überhöhendes Stilelement. So was kann als Serie episodisch unterhaltsam sein, aber in einem Buch hintereinanderweg macht es eher schlechte Laune.

    Frustriert die Welt anzugiften, wäscht sich aber recht schnell aus: Das Elterngeld ist Mist, die Arbeits- und Betreuungsmöglichkeiten sind Mist, Bahnfahren ist Mist, das Diktat der Modeindustrie ist Mist, Wohneigentum ist Mist und die eigenen Eltern nerven. Die Liste klingt sehr pubertär und das immer die anderen oder die allgemeinen Bedingungen schuld an der Misere sind, wirkt ebenfalls so. Dabei hat der unzufriedende Papa eine Saisonkarte fürs Fußballstadion, geht morgens joggen und hängt abends mit Freunden in der Kneipe oder auf Parties ab und hat in seinem Arbeitszimmer ein kleines Tonstudio. Alles Dinge, von denen die meisten anderen Väter (und Mütter) nur träumen können – und trotzdem sind sie nicht so unzufrieden wie die Autoren.

    Erst habe ich mich geärgert, dann taten sie mir leid. Erst wollte ich ihnen (virtuell) eine kleben, nun möchte ich sie nur noch drücken. Aber es gibt ja auch einiges gut Gemeintes im an so vielen Stellen weniger gut Gemachten. So schreibt Thomas über die Rolle der neuen Väter: „Wir sind gerade erst im Mittelalter der Vaterschaft angekommen. Auf Renaissance und Aufklärung warten wir noch vergeblich.“ (S. 174) Das ist ein starke Metapher, aber irgendwie bringe ich mehr Verständnis für die Schilderungen von Julia auf. Auch hier mangelt es nicht an guten Sequenzen: „Das Leben mit Kind gleicht einem mafiösen System von Erpressungen un Bestechungen.“ (S. 127) Richtig gelungen ist jedenfalls das Fazit der gemeisamen Schreibarbeit: „[E]s gibt eine Sache, die viel blöder ist, als Kinder zu haben, und das ist: keine Kinder zu haben.“ (S. 218)

    Ein Projekt, das so polarisierend wirkt, dass ich mich richtig lang und breit dazu auslasse, kann dann gar nicht verkehrt gewesen sein – zumindest hat es ja Wirkung erzeugt.

    Das Buch bei Amazon

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/papier-ist-geduldig-8-berufsnoergler/

  • Grenzgänger

    Grenzgänger

    Es ist schon schlecht, wenn man sich nicht mehr an konkrete Stellen des Buches, was man besprechen wollte, erinnern kann. Es war aber irgendwie gut – so viel weiß ich noch und das ist ja auch schon mal was.

    Ich habe ohnehin ja das Gefühl, dass man diese Erziehungsratgeber liest, um sich zu vergewissern, dass man intuitiv eigentlich doch nicht so viel falsch macht. So zielen dann auch die Kernaussagen Jan-Uwe Rogges in seinem „Das Neue Kinder brauchen Grenzen“-Buch darauf ab, Ruhe zu bewahren und weiterzuatmen. Eltern sollen die Grenzen ihrer Erziehungsmöglichkeiten („Ermutigung zur pädagogischen Unvollkommenheit“) und bei ihren Kindern die Grenzen der Erziehbarkeit akzeptieren.

    Hilfreich sind die Verweise auf Auszeiten (s. 77ff), bevor Dinge eskalieren: Einfach sich oder die Kinder aus der Situation rausnehmen – es funktioniert. Den Tipp, Trödel-Kindern mit einer Sanduhr Zeiteinheiten verständlicher zu machen, fand ich auch sehr gut. Eine Sanduhr habe ich noch gefunden, aber so richtig probiert haben wir es dann doch nicht.

    Vielen Hinweise beziehen sich aufs Taschengeld, das Handy oder Fernsehen. Das sind Themen, die noch kommen – vielleicht habe ich deswegen in diesen Kapiteln nur kursorisch gelesen. Aber ich werde sicher noch mal nachblättern, wenn es akut wird.

    Das Buch bei Amazon

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.vatertage.net/papier-ist-geduldig-7-grenzgaenger/

  • Nicht ohne meine Raupe

    Nicht ohne meine Raupe

    Wenn es um Kinderbücher geht, ist „Die kleine Raupe Nimmersatt“ ganz vorne mit dabei. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es dazu kam, dass mein Sohn sich in sie verliebte, aber ohne die „Haupe“ (wie er es ausspricht) geht gar nichts mehr und er vor allem nicht ins Bett.

    Eric Carle hat viele Kinderbücher geschaffen, aber die ‚kleine Raupe‘ ist ein echter Klassiker geworden. Entstanden ist das Buch vor gut 40 Jahren in Deutschland, denn die Eltern von Eric Carle siedelten in den 1930er Jahren nach Südwestdeutschland über, wo er während des Krieges auch zur Schule ging und im Anschluss an der Stuttgarter Akademie Serviettentechnik studierte.

    Da sich mein Sohn immer das ganze Buch (inklusive Cover, Verlag und Copyrights) vorlesen lässt, haben wir ungezählte Male auch die Widmung „Für meine Schester Christa“ auf der ersten Innenseite vorgelesen. Neugierig wird man da schon? Wer ist Christa? Wie geht es ihr? Christa ist 21 Jahre jünger als Eric und er hat ihr die Raupe zu ihrer Geburt gewidmet. Woher man all das weiß? Natürlich aus dem Internet und dort von der gut aufgeräumten Eric-Carle-Website. Dort gibt es auch ein Bild von Christa.

    Die Raupe bei Amazon

    Der Beitrag ist zuerst erschienen unter http://www.vatertage.net/kinderbuch-1-nicht-ohne-meine-raupe/

  • Weiterhin bedrohte Wörter

    Weiterhin bedrohte Wörter

    Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen. Und weil ich mich hier recht löblich über den ersten Teil ausgelassen habe, komme ich um den zweiten Teil von Bodo Mrozeks „Lexikon der bedrohten Wörter“ wohl nicht herum – mitgehangen ist mitgefangen.

    Weiterhin finden sich kurze und mitunter sogar kurzweilige Einträge, die sich flott auch mit Unterbrechungen lesen lassen, aber die geschmunzelte Freude beim Wiedersehen alter Wörter mag sich nicht so einstellen wie beim ersten Band. Irgendwie wirkt es bemühter – es kann aber auch daran liegen, dass man beim zweiten Buch die Idee nicht mehr so originell, wie beim ersten findet. Trotzdem gibt es auch hier eine Lieblinge von der roten Liste (Fuchtel, Manchesterhose und Tusnelda), aber deren Erklärungen hätte man auch woanders suchen und finden können.

    Hoffentlich bleibt dem an sich netten Projekt das Schicksal der Filmtrigolie von „Der Matrix“ erspart: Den ersten Teil von man super, die Folgenden hat man sich nur angesehen, damit es endlich ein Ende damit hatte…

    Das Buch beim Amazon

    Dieser Beitrag ist zuerst erschienen unter http://www.vatertage.net/was-es-sonst-noch-gibt-5-weiterhin-bedrohte-woerter/