Kategorie: Digitales

  • #Zukunftscheck: Prognosen aus „Die Datenfresser“

    #Zukunftscheck: Prognosen aus „Die Datenfresser“

    Wir alle lieben es, wenn Menschen einen Blick in die Zukunft werfen. Und noch spannender wird es, wenn wir die Gelegenheit haben, diesen Prognosen zu überprüfen. Erinnert ihr euch noch an den 21. Oktober 2015? Das ist der Tag in der Zukunft, an dem Marty McFly im zweiten Teil von „Zurück in die Zukunft“ reist, um seinen Sohn zu helfen. Als der Film 1989 in die Kinos kam, lag diese Zukunft 25 Jahre vor uns – inzwischen liegt sie mehr als fünf Jahre hinter uns. Auch die düstere Zukunft des ersten „Blade Runner“-Films, dessen Handlung am 20. November 2019 beginnt, blieb uns in dieser Form erspart. Die Ereignisse der Matrix-Trilogie ereilen uns erst in über 170 Jahren und wann die „Tribute von Panem“ spielen, scheint irgendwie nicht ganz klar zu sein.

    Aber es muss ja nicht immer das ganz große Kino sein und nicht immer direkt ganze Jahrhunderte zwischen dem Erstellen der Prognose und dem prognostizierten Zeitraum liegen. In dem Sachbuch ⏩ „Die Datenfresser“ von Constanze Kurz und Frank Rieger aus dem Jahr 2011 sind es gerade mal zehn Jahre – und den Beginn der kleinen Geschichte aus der Zukunft habe ich auch prompt verpasst. Sie beschreiben ab Seite 206 „Wohin die Reise geht: Drei Tage im Jahre 2021“ – beginnend am 21. April 2021.

    Es geht gar nicht darum, sich lustig zu machen – ganz im Gegenteil: Es ist ausgesprochen mutig sich mit einer Prognose zitierbar zu machen – vor allem, wenn eine Überprüfung zu Lebzeiten noch sehr wahrscheinlich ist. Zehn Jahre sind kein wirklich langer Zeitraum für einen Blick in die Zukunft. Daher denke ich, sind die Vorstellungen der beiden Autoren in Bezug auf ihr Kerngebiet rund um Datenflüsse und Datenhaltung vermutlich recht treffend: Nachrichten sind personalisiert nach dem Klickverhalten, die Schlafqualität wird überwacht, flächendeckende Gesichtserkennung an allen öffentlichen Orten. Krankenkassen nutzen Fitnessdaten für die Festlegung ihrer Tarife. Grenzkontrollen erfolgen anhand biometrischer Daten. Da sind wir schon oder kurz davor – das passt also.

    Die Rahmenbedingungen sind nicht so – aber ein interessantes Alternativ-Szenario: Auf Grund von Mineralöl-Mangel ist Autofahren für die meisten Menschen in unserem verunmöglicht. Es gibt eine extrem hohe Innenstadt-Maut und ansonsten fährt elektrisch, wer sich das leisten kann. Die meisten Menschen benutzen öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Fahrräder sind bei Öko-Extremisten besonders beliebten, ganz besonders die alten Modelle ohne digitale Registriernummer.

    Kleinteile werden mit Flugrobotern zugestellt. Der Trend geht zu langlebigen Produkten, weil die Öl- und Metallreserven des Planeten zu knapp für schnelllebige Produktzyklen ist. Inhabergeführte Cafés gibt es nicht mehr und Island ist das letzte freie Land der Welt. An manchen Stellen ist diese Zukunft gar nicht so schlecht.

  • Pseudo-Transparenz polarisiert

    Pseudo-Transparenz polarisiert

    Ich frage mich schon seit längerem, was aus dem Internet und insbesondere Social Media geworden ist. Dünnhäutige „Allerwelts“-Expert:innen keifen sich aufgepeitscht an, jede:r stellt alles in Frage und zeigt mit dem Finger auf die anderen, die die Dummen sind. Etliche empfinden die Medien als ‚gleichgeschaltet‘ und es wird nach ‚alternativen Medien‘ Ausschau gehalten. Was ist hier passiert? Früher sind wir doch auch nicht alle direkt aneinander geraten, wenn außergewöhnliche Ereignisse unsere kleine, alltägliche Lebenswelt erschüttert haben.

    „Der Postillion“ bringt es mit seinen satirischen Beitrag über ⏩ „Tschernobyl-Leugner“ auf den Punkt:

    Was wusste man damals? Nur, das was über die Medien, die Regierung und die Verwaltung mitgeteilt wurde. Man guckte maximal, ob Regenwolken aus dem Osten kamen und verzichtete auf das Pilzesammeln im Wald. Was konnte man selber recherchieren? Was konnte man machen? Was konnte man zur öffentlichen Diskussion beitragen? Nichts.

    War das gut? Nicht unbedingt. Hat es uns geschadet? Nicht unbedingt.

    25 Jahre später hatten wir die nächste Nuklear-Katastrophe – diesmal in Japan, diesmal mit dem Internet. Diesmal lassen wir uns nichts mehr vormachen – besonders in Deutschland nicht. Fukushima ist zu Fuß von Deutschland etwas über 12.000 km entfernt, nach Tschernobyl sind es keine 1.500 km. Aber diesmal konnten wir was tun: Wir hatten ja nun das Internet und auf einmal ist Japan näher als die Ukraine. Social Media brummt, ⏩ Geigerzähler sind deutschlandweit ausverkauft und japanische Produkte bleiben in Supermärkten liegen. Behauptungen lösten Beweise ab, Mutmaßungen und Meinungen machten die Runde.

    Für mich war es ein Stück weit der Punkt, an dem die sozialen Medien ihre Unschuld verloren haben: Hass, Häme und Halbwissen wurden nun Alltag. Schließlich kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und es gab keinen Berg mehr, hinter dem man diese halten müsste. Jeder sucht und findet im Netz die Zahlen, Aussagen und Zitate, die zu seiner jeweiligen Weltsicht passen. Wer das nicht so sieht, der will es nicht sehen. Alles ist für die Kritik offen, denn Lösungen muss ich nicht präsentieren.

    Es ist inzwischen nur noch ein Glaubenskrieg: Entweder man glaubt etwas oder nicht und dann kämpft man dafür oder dagegen – mit allen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Wer nicht ‚mitglaubt‘, ist ein Verräter, muss niedergeschriehen und als Idiot abgestempelt werden. Denn die Wahrheit ist doch so klar und offensichtlich und doch nur einen Mausklick entfernt. Wir schauen alle durch trübes Milchglas auf die Welt und glauben doch, den einzig richtigen Weg sehen zu können.

  • Warum es besser ist, dass meine Uhr nicht so schlau ist

    Warum es besser ist, dass meine Uhr nicht so schlau ist

    Ich mag Technik. Ich mag Technik, die funktioniert. Smarte Technologie kann mich begeistern. Es war also recht naheliegend, dass auch irgendwann meine Uhr smart sein würde. Und damit die Uhr auch richtig schlau sein kann, brauchte sie eine eigene SIM Karte – alles andere sind minimalistische Remote-Displays des verbundenen Handys.

    In meinem Fall war es eine Huawei Watch 2, die vor ziemlich genau drei Jahren für 300 Euro an mein Handgelenk kam. Und ich fand’s wirklich praktisch: Das leichte Vibrieren kündigte aktuelle Infos an. So konnte man Kurznachrichten direkt lesen und von E-Mails die Anfänge. Ich hatte meine Einkaufslisten und Notizen am Handgelenk. Social Media war eher sperrig und wenn ein Anruf einging, konnten sich Handy und Uhr nicht immer einigen, wer nun Vorrang hätte. Ich konnte aber so einfacher beim Autofahren telefonieren – das war praktisch, denn ich habe keine Freisprecheinrichtung. Und die Display-Beleuchtung als Taschenlampen-App hat auch manchmal geholfen, wenn im Keller die Falle der Zeitschaltuhr zuschlug. Und das alles ging ohne dass das Handy in der Nähe sein musste. Wir waren ein gutes Team – ich und meine Smartwatch.

    Doch dann kam Corona – und alles wurde anders. Nein, die Uhr hat keinen Virus bekommen, aber passte auf einmal nicht mehr zu den sich verändernden Tagesabläufen und Gewohnheiten. Da ich schon über ein Jahr nicht mehr berufsbedingt Pendeln musste, war der Vorteil beim Autofahren schnell abgehakt und da ich seit März 2020 fast ausschließlich im Homeoffice sitze, wurde mein Auto noch weniger bewegt. Darüber hinaus trage ich meiner Wohnung keine Armbanduhr – vielleicht eine Marotte, aber ich habe in jedem Raum sichtbar irgendwo eine Uhr, da macht das auch keinen Sinn noch eine am Handgelenk zu tragen.

    Da ich nun nicht mehr aus dem Haus ging, blieb auch meine Uhr brav im Körbchen auf dem Schuhschrank bei der Wohnungstür liegen. Wenn ich dann mal losging und nach der Uhr griff, war der Akku leer. Eigentlich immer während des Corona-Jahres. Der eingefleischte Rhythmus, dass Smartphone und Smartwatch nachts regelmäßig geladen werden, wenn der Mensch schläft, damit beide Geräte mit dem Start zur Arbeit für den ganzen Tag einsatzfähig sind, war durchbrochen. Ich bin sogar häufig mit einer energetisch toten Uhr am Handgelenk aus der Wohnung gegangen, denn auch ist eine Marotte, dass ich eine Uhr trage, wenn ich nicht in meiner Wohnung bin.

    Aber es kam noch schlimmer: Wenn die Smartwatch tot war, könnte ich ja auch meine alte Armbanduhr wieder verwenden – immerhin eine Automatik einer eher teuren Uhrenmarke, die sich selber aufzieht, wenn man sie trägt. Die ist natürlich auch leergelaufen, wenn man sie länger nicht benutzt hat. Und die Batterie in der Ersatzuhr vom Uhrenhändler tut es auch nicht mehr.

    Was nützt mir eine Smartwatch, wenn die ganze Intelligenz nicht mal dafür ausreicht, mir die Uhrzeit anzuzeigen, wenn ich sie brauche? Ich wollte nun lieber eine Uhr, die nichts kann außer die Uhrzeit anzuzeigen, bei der man den Batteriewechseln nicht verschlafen kann und die auch wacker weiterläuft, wenn sie ein paar Tage nicht getragen wird. Die Lösung für mich? Eine Solar-Uhr, die – laut Hersteller-Versprechen – nach ausreichender Aufladung auch in völliger Dunkelheit bis zu sechs Monaten (und länger) weiterlaufen soll. Wie doch ein Pandemie-Jahr die Ansprüche an die Gadgets völlig verändern kann.

  • Pressearbeit vs. Social Media

    Pressearbeit vs. Social Media

    Dort, wo Social Media nicht dem Praktikanten überlassen wird, soll dann die Pressestelle noch mal über die Tweets, Posts und Instas gucken, bevor sie online gehen – könnte ja auch Sinn machen, denn es sind kleine Nachrichten, die extern veröffentlicht werden.

    Oftmals aber macht genau das keinen Sinn, denn Social Media Posts lassen sich nicht nach den Qualitätskriterien guter Pressearbeit bewerten. Ging man in Frühzeiten deutscher PR-Forschung davon aus, dass gute PR- bzw. Pressearbeit den Journalismus steuern könnte, so hat sich diese Annahme in Richtung gegenseitiger Beeinflussung der Systeme auf Grundlage der Kenntnisse der jeweiligen Arbeitsmethoden verschoben. Häufig sind es die klassischen ⏩ Nachrichtenfaktoren, die eine Pressemitteilung für einen Journalisten interessant machen: Darunter solche wie (regionale) Nähe, handelnde Personen, Schadenshöhe und Negativismus. Wenn ich das bedienen kann und weiß wann Redaktionsschluss ist, damit die Meldung noch ins Blatt kann, dann habe ich ⏩ Intereffikation anstatt Determination.

    Also haben sich für gute Pressearbeit ein paar Regeln herausgebildet. Diese sorgen dafür, dass sich auf gewissen Dimensionen bestimmte Positionen manifestiert haben. Soll heißen: Wenn sich die Presseabteilung bezüglich der Bewertung orientieren muss, wird sie eher auf Fakten setzen. Bei Konsistenz wird sie sich an einer nachhaltigen, in sich schlüssigen Berichterstattung orientieren und bei der Betroffenheit eher auf abstrakte Gruppe als auf konkrete Beispiele setzen. Der innere Kompass wird sich auf verschiedenen Dimensionen immer in vergleichbaren Tendenzen ausrichten: Eher vom Absender ausgehen, möglichst aktuell sein, Fakten bevorzugen, überprüfbar, abstrakt und konsistent informieren.

    Social Media Kanäle sind keinen Nachrichtenticker – die Regeln dort sind anders. Die Kriterien des Absenders interessieren nicht, denn in Social Media steht der User als Empfänger im Fokus: Er beziehungsweise sie entscheidet nach eigenen Orientierungspunkten, ob die Meldung für sie oder ihn interessant ist. Zum Beispiel spielt die Aktualität keine so große Rolle: Wenn die Meldung, in dem Augenblick, in dem ich sie wahrnehme, für mich als Empfänger relevant ist, dann ist mir egal, ob sie topp aktuell ist. Dabei orientiere ich mich an dem Moment und scrolle nicht die Timeline runter, um zu überprüfen, ob die Meldung im Einklang mit allen bisherigen Meldungen zu diesem Thema ist. Ich kann auch nicht überprüfen, ob die Fakten stimmen – ich bin ja kein Nachrichten-Journalist -, sondern mir reicht es, dass die Info schlüssig und glaubhaft ist. Ich begrüße auch, dass sie nicht neutral informiert, sondern jemand sie bereits für bewertend kommentiert hat, was mir die Einordnung erleichtert. Und diese Bewertung kann auch gerne eine Emotion beinhalten – menschliche Reaktionen verbinden eher als professionelle Distanz des Beobachters und Berichterstatters.

    Auch abstrakt formulierte Informationen sprechen mich in Social Media nicht an: Was soll das heißen, wenn „vermutlich 12% Prozent der Bevölkerung“ von irgendetwas betroffen sein könnte? Was bedeutet das für mich? Es gibt schon einen Grund, warum Einzelschicksale uns in Social Media bewegen, obwohl daraus keine Verallgemeinerungen möglich sind.

    Also auf der Social Media Seite zählen der Empfänger, die Relevanz, der Moment, ein möglichst konkreter Bezug, sowie die Vorstellbarkeit und eine kommentiere emotionale Meinung. Deswegen sind Social Media Posts keine kleinen Pressemitteilungen.

  • Schweigespirale 2.0

    Schweigespirale 2.0

    Das Thema der schweigenden Mehrheit taucht immer häufiger auch im Zusammenhang mit Social Media auf. Medien sind grundsätzlich keine basisdemokratische Veranstaltung, in der alles stets ausgewogen sein muss, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass einige besonders umtriebige „Stimmungsmacher“ die Bühnen von Twitter, Facebook & Co. okkupieren und dort lauter trommeln als andere.

    Das könnte tatsächlich die von Elisabeth Noelle-Neumann in den 1970er Jahren als eine Theorie der öffentlichen Meinungsbildung formulierte ⏩ „Schweigespirale“ auslösen: Im Kern besagt diese, dass jeder Mensch das herrschende Meinungsklima antizipiert und „widerspricht die eigene Meinung der als vorherrschend betrachteten Meinung, so gibt es Hemmungen, sie zu äußern, und zwar umso stärker, je ausgeprägter der Gegensatz wird. Daher der Begriff der Spirale.“ – so weit Wikipedia.

    Die Studien bezogen sich auf den Bundestagswahlkampf und die vermeintlich einseitige Berichterstattung der Medien, die das tatsächlich in der Gesellschaft vorherrschende Meinungsbild verzerrt hätten: Der Durchschnittsbürger verwechsele die veröffentlichte (Minder-)Meinung mit der herrschenden Mehrheitsmeinung und halte daher lieber die Klappe in politischen Diskussionen.

    Die Theorie hat einige Lücken und eine teilweise wackelige empirische Basis, fasziniert aber nach wie vor – sicher auch wegen ihrer bestechenden Einfachheit komplexe Sachverhalte zu erklären.

    Das Schweigen der Vernunft und die Dominanz extremer Meinungen wird nun auch in sozialen Netzwerken auffällig: „Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand seine Meinung veröffentlicht, obwohl sein Online-Freundeskreis eine andere vertritt, hielten die Forscher für halb so hoch als bei denjenigen, die sich in einem Konsens-Umfeld wähnen,“ schreibt Julia Bähr in der ⏩ FAZ mit einem Verweis auf eine Studie des ⏩ PEW Instituts.

    Diese stellte unter anderem auch fest, dass drei Faktoren Einfluss darauf haben, ob jemand seine Meinung in Social Media teilt: Die Selbsteinschätzung ein Experte für das Thema zu sein, die Intensität der eigenen Meinung sowie der Grad des persönlichen Interesses. Anders formuliert es die ebenfalls die FAZ: „Wer im richtigen Leben schweigt, der schweigt auch online.“

    Je stärker ein Thema polarisiert, desto eher äußert man sich öffentlich nicht dazu. Ich glaube aber, dass die Mechanismen beziehungsweise Ursachen online ein bisschen anders als bei den Annahmen der klassischen Schweigespirale liegen: Man schweigt nicht, weil man vermutet der Mindermeinung anzugehören, sondern man hat einfach keine Lust sich online anpöbeln zu lassen.

    Twitter war früher mal ein freundliche Ort, an dem man sich konstruktiv und tolerant ausgetauscht hat. Inzwischen wird man angepöbelt, wenn man etwas anders sieht als andere – völlig egal, ob die anderen die Mehrheit, Minderheit oder auch nur Einzelfälle sind.

    Jedes Thema kann zum Meinungs-Minenfeld werden: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Es ist erschreckend mit welcher Vehemenz manche bereit sind verbal auf einander einzuschlagen.

    Wer sich über einzelne Fahrradfahrer aufregt, wird mit Sicherheit von engagierten Radlern angegriffen, weil Radfahrer grundsätzlich das schwächste Glied in der Opferkette des Straßenverkehrs sind. Männer dürfen sich nicht zu Frauenthemen äußern und Frauen nicht zu Fußball und für den Klimaschutz ist jedes Mittel vielleicht nicht legal, aber legitim. Wer anderer Meinung ist, liegt nach Meinung Einzelner völlig falsch damit, hat nichts verstanden und weiß gar wie das ist…

    Inzwischen schweigt man lieber auf Social Media als sich in Weltanschauungs-Diskussionen verwickeln zu lassen. Ich habe da mal auf Twitter nachgefragt – aber bei der bescheidenen Anzahl von Rückmeldungen kann man nicht einmal von einem Trend sprechen:

    Aber die Forschung sollte das gerne mal aufnehmen und vertiefend beleuchten, denn ich glaube ja die Schweigespirale ist online eher eine Shitstorm-Spirale und da duckt man sich lieber, bevor man getroffen wird.

  • Twitter war mal ein freundlicher Ort

    Twitter war mal ein freundlicher Ort

    Twitter war immer „mein“ Kanal unter den ’sozialen Netzwerken‘ – nun muss ich feststellen, dass es dort leider immer asozialer zugeht. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist mit der wachsenden Anzahl von Nutzern auch ein größerer Anteil des Bodensatzes unserer Gesellschaft mit hineingespült wurden: Damit meine ich Menschen ohne Erziehung, Anstand und Benehmen – keine Merkmale wie Einkommen, Ethnie, Geschlecht oder politische Gesinnung.

    In einem Dialog-Kanal sollte man mit einander reden können – auch, wenn man anderer Meinung ist. Miteinander reden beinhaltet auch Zuhören und Aushalten, dass andere über Dinge anderes denken. Meinungen sollten mit Argumenten untermauerbar sein und diese können in einer Diskussion gerne angebracht werden. Das machen Menschen so, wenn sie miteinander reden.

    Bei Twitter fällt mir zunehmender Starrsinn gepaart mit Intoleranz auf: „Wenn Du dass nicht so wie ich siehst, dann bist Du kacke und verstehst gar nichts…“ – in der digitalen Welt gibt es immer weniger Grau, sondern scheinbar nur noch Schwarz oder Weiß.

    Wer sich keine blutige Nase holen will, der bleibt am besten in seiner Ecke und zieht sich seine Filterblase über den Kopf, denn dort habe ich immer recht und alle denken das selbe wie ich und ich muss mich mit der Welt nicht mehr auseinandersetzen.

    Ich finde das eher traurig. Jegliche Gruppe, die tatsächlich oder nur selbstempfunden zufällig oder auch systematisch benachteiligt ist, ist auf Krawall gebürstet und blökt jeden an, der es wagt, etwas zu ihrem Thema zu sagen, zu fragen oder anzumerken: Alleinerziehende Mütter, Fahrradfahrer, Umweltaktivisten, Landbewohner und viele andere – wer es wagt, zu etwas den Mund auf zu machen, der weiß ja nicht, wie es ist und soll gefälligst die Klappe halten und sich verpissen.

    Noelle-Neumanns „Schweigespirale 2.0“ lässt grüßen: Bei der vermeintlich herrschenden (ver-)öffentlichten Meinung, traue ich mich nicht mehr, meinen Senf dazuzugeben. Twitter mutiert zur Linkschleuder der Eitelkeiten, das Vögelchen hat sich den Schnabel gebrochen und ist dabei abzustürzen.

    Früher war Twitter ein freundlicher Ort. Man hat sich unterhalten und den anderen sein lassen, was er wollte, so lange er freundlich und höflich war.

  • Alles neu macht der Mai

    Alles neu macht der Mai

    Ich habe den vergangenen Monat genutzt meine Online-Aktivitäten zu optimieren. Ein Projekt hatte ich für mich abgeschlossen und in diesem Zuge habe mich von der Projekt-Website, dem korrespondieren Blog und Twitter-Account verabschiedet.

    Aber nicht alle Inhalte waren für die „digitale Tonne“. Einige waren gut geklickt wurden, andere fand ich einfach relevant genug, um sie nicht gleich mitzulöschen. Aber wohin damit? Ich hatte noch zwei weitere Blog-Baustellen im Netz, die ich vorher schon nicht kombiniert hatte, weil ich dachte, dass die Zielgruppen für die Inhalte zu weit auseinanderlägen.

    Den untauglichen Versuch sich im Netz als monothematisch ausgerichtete, multiple Persönlichkeiten zu präsentieren wollte ich auch hinter mir lassen: Im echten Leben gibt es mich auch nur aus einem Guss.

    Ich verstehe mich als „Geschichtenerzähler“. Und wo werden die besten Geschichten erzählt? Richtig: Abends am Lagerfeuer! Der Ort, an dem man sich zusammen gefunden hat, bevor das Fernsehen erfunden wurde.

    In der modernen Variante eben als DigitalesLagerfeuer.de: Es leuchtet in der Nacht, es wärmt, es knistert, der Rauch vernebelt einem die Sinne und man kann sein Marshmallow darin rösten.

    team40.org gab es von 2017 bis 2019

    Unter „Digitales“ finden sich in erster Linie meine Beiträge zum Thema Digitalisierung, die zuvor auf „team40.org“ zu lesen waren. Dort hatte ich von März 2017 bis März 2019 insgesamt 30 Beiträge veröffentlicht, von denen zehn übernommen wurde.

    Davon gut die Hälfte in der Rubrik „Spielen“, in denen es um das von mir entwickelte Teambuilding-Spiel geht.

    anderesachen.blogspot.com gab es von 2012 bis 2019

    Die meisten Beiträge unter „Digitales“ stammen von meinem Blog „anderesachen“, auf dem ich von Februar 2012 bis Februar 2019 51 Beiträge vorrangig rund um Social Media und Internet-Themen veröffentlicht habe. Einige sind hier schon angekommen, andere ziehen in den nächsten Tagen nach. Ich dachte damals, es wäre doof, diese Themen mit den Themen meines Papa-Blogs „vatertage.net“ zu vermischen.

    vatertage.net gab es von 2007 bis 2016

    Dort habe ich von Dezember 2007 bis Juli 2016 insgesamt 214 Beiträge veröffentlicht. 24 schafften es, sich ans DigitaleLagerfeuer zu retten. Die Hälfte von ihnen in die Rubrik „Daheim“, die andere Hälfte – vorrangig Buch-Besprechungen – unter „Andere Sachen“ und dort als „Gelesen“.

    Der Rest war nicht mehr zeitgemäß: Wer braucht 2019 noch zehn Jahre alte Empfehlungen für Kinderwagen- und Autositzmodelle, die es schon lange nicht mehr gibt? Wer braucht im Streaming-Zeitalter noch einen Vergleich der verschiedenen Online-DVD-Verleihdienste (ja, das gab es wirklich!)? Und die Besprechungen von anderen Papa- und Familien-Blogs, die inzwischen schon lange wieder offline sind, dürfte auch niemanden mehr interessieren.

    Jetzt gibt es das DigitaleLagerfeuer.de

    Aber alles, was auch nach langer Zeit noch eine schöne Geschichte ist, wird noch länger am DigitalenLagerfeuer erzählt werden und hat dort seinen berechtigten Platz.

    So, wie auch Du, lieber Gast! Setz Dich dazu, für Dich ist immer ein Plätzchen frei am DigitalenLagerfeuer!

    Und wie geil ist das denn? Mal ein neues Blog-Projekt nicht leer, sondern bereits gut gefüllt starten zu können?

  • Frauen und Digitalisierung

    Frauen und Digitalisierung

    Glauben die einen, die Digitalisierung gefährde in erster Linie die Berufsfelder, die vorrangig von Frauen besetzt sind, so glauben andere, dass die Frauen zu den Gewinnerinnen der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt gehören werden. Was stimmt denn nun? Vermutlich beides.

    Während das WEF in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group im Januar 2018 prognostizierte, werden in den kommenden Jahren gut 1,4 Millionen Jobs in den USA durch die fortschreitende Digitalisierung bedroht, in denen aktuell mehrheitlich Frauen (zu 57%) beschäftigt sind (vgl. S. 13). Hier sind vor allem das Gesundheitswesen, die Buchhaltung, die Gastronomie und Erziehungsberufe zu nennen. Für einen passenden Jobwechsel böten sich ohne weitere Umschulungsmaßnahmen für Männer jedoch mehr Wechseloptionen als für Frauen an. Vor diesem Hintergrund könnten Frauen zu den Verliererinnen der Digitalisierung gehören.

    Zwei Jahre zuvor vertrat Accenture noch die gegenteilige Meinung: „Wenn Regierungen und Unternehmen die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Frauen digital kompetent werden, könnte Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz in den Industriestaaten bereits im Jahr 2040 erreicht werden, also 25 Jahre schneller als bei der jetzigen Entwicklung.“ Hintergrund seien die besseren Bildungsabschlüsse der Frauen, ein großes Interesse am Gründen, so wie hohe Bereitschaft zu arbeiten, weil Heimarbeit und Flexibilität möglich wären.

    Der DGB sieht die Situation ein bisschen differenzierter: Im Februar 2017 erschien eine Sonderauswertung zum Thema „Frauen und Digitalisierung: Chance oder Risiko?“, die zwar auch Unterschiede bei den Geschlechtern herausarbeitet, dieses aber in den unterschiedlichen Berufsprofilen innerhalb der Branchen begründet sieht. „Frauen nutzen andere Formen der Digitalisierung, weil sie andere Berufe und Tätigkeiten ausüben als Männer“, heißt es ganz klar in der Langfassung der Studie (S. 13).

    Frauen finden jedoch auch die Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung als höher (vgl. S. 15) bei gleichzeitigen Ohnmachtsgefühlen, da sie beim Einsatz der neuen Arbeitstechniken nicht mit entscheiden dürfen (vgl. S. 17f).

    Letztendlich spricht das alles für strukturelle Faktoren – weniger für individuelle Voraussetzungen, denn diese sind bei Männern und Frauen weitestgehend gleich. Wenn die Rahmenbedingungen es zulassen würden, dürfte also das Geschlecht bei der Digitalisierung eigentlich keinen Unterschied machen.

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/frauen-und-digitalisierung/

  • Digitalisierung: Jetzt erwischt es die Frauen

    Digitalisierung: Jetzt erwischt es die Frauen

    Den allumfassenden Charakter der Digitalisierung stellt eigentlich niemand in Frage. Es wurden Produkte, Prozesse und Professionen betrachtet und bewertet. Ganze Branchen werden in Frage gestellt. Es geht um Alter und Bildungsabschlüsse der Belegschaft. Bei allen soziologischen Betrachtungen rückt irgendwann das Geschlecht in den Betrachtungswinkel – es scheint immer noch eine der augenscheinlichsten Variablen zu sein, die unsere Welt einteilen.

    Man könnte hoffen, dass dies nicht mehr zeitgemäß sei, aber es gilt auch für die Digitalisierung und die zukünftige Arbeit in der Welt von Morgen. Aktuell rückte dies eine Untersuchung des WEF in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group im Januar 2018 in den Fokus. Im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels in Davos wurde die Studie „Towards a Reskilling Revolution. A Future of Jobs for All“ veröffentlicht, in der es im Kern eigentlich nicht um Geschlechter-Rollen geht, sondern um – wie es im Vorwort von Klaus Schwab heißt –  „a new approach to identifying reskilling and job transition opportunities, including those that might not be immediately apparent.“ (S. 1)

    Auf Basis US-amerikanischer Arbeitsmarkt-Daten wurde mit einem Big-Data-Analyse-Verfahren versucht „to break down jobs into a series of relevant, measurable component parts in order to then systematically compare them and identify any gaps in knowledge, skills and experience.“ (S. 4) So konnte man Berufsgruppen und Arbeitsfelder identifizieren, die vergleichbare Qualifikationen erfordern. Im Falle von Veränderungen des Arbeitsmarktes durch zum Beispiel Digitalisierung lässt sich dann zeigen, mit welchen Aufwand welche Arbeitskräfte aus wegfallenden Berufsfeldern in wachsende Arbeitsbereiche wechseln könnten: „Therefore, the core of our data-driven approach to assessing the viability of a job transition consists of calculating the similarity between the requirements of two jobs in order to compute an objective ‘similarity score’ between them.“ (ebd.) Bei einem ‚good fit‘ dürften die Umschulungsaufwände geringer sein.

    Gut 1,4 Millionen Jobs seien in den USA durch die fortschreitende Digitalisierung bedroht, in denen aktuell mehrheitlich Frauen (zu 57%) beschäftigt sind (vgl. S. 13). Hier sind vor allem das Gesundheitswesen, die Buchhaltung, die Gastronomie und Erziehungsberufe zu nennen. Für einen passenden Jobwechsel (‚good fit‘) böten sich ohne weitere Umschulungsmaßnahmen für Männer jedoch mehr Wechseloptionen als für Frauen an. Vor diesem Hintergrund könnten Frauen zu den Verliererinnen der Digitalisierung gehören.

    Spiegel-Online stellte diesen Aspekt in den Vordergrund und titelte am 22.01.2018: „Digitalisierung gefährdet vor allem Jobs von Frauen.“ Die FAZ relativierte diese Aussage am Folgetag und stellte die Frage: „Digitalisierung: Leiden Frauen oder Männer?“ Die Antwort war recht simple (und logisch): Eigentlich beide. Hintergrund der Frage war, dass zeitgleich zu der WEF Studie eine andere Studie prognostizierte, dass Computer vor allem die Arbeitsplätze von Männer gefährden würden. Eines hätten beide Studien auf jeden Fall gemeinsam: „Sie sind Prognosen, es ist noch nichts eingetreten.“

    Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass viele von Männern dominierten Berufsfelder bereits erste Automatisierungs- und Digitalisierungswellen durchlebt haben und künftig nun eher Berufsfelder in den Fokus rücken, die eher von Frauen besetzt sind. Das Fazit gibt auch die Richtung vor: „Diese Arbeitsmarktentwicklung passt zu einem Trend, der in den vergangenen Jahren deutlich wurde: körperliche und technische Arbeit wurde zum Teil zwar noch hoch bezahlt, deutlich wurde aber auch schon, dass angesichts des technischen Fortschritts soziale Fähigkeiten wichtiger wurden – Fähigkeiten, die eher den Berufen zugeschrieben werden, die oft von Frauen ausgeübt werden.“

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/digitalisierung-jetzt-erwischt-es-die-frauen/

  • Online-Überweisungen spalten die Nation

    Online-Überweisungen spalten die Nation

    Müssen wir uns Sorgen um den Standort Deutschland machen? Die Digitalkompetenz innerhalb der deutschen Bevölkerung reicht nicht sehr weit, um das „Neuland“ zu erobern. Darauf verweisen zumindest die Zahlen aus dem D21-DIGITAL-INDEX, die statista.de zu einer Infografik zusammengefasst hat, die seit ein paar Tagen in Social Media rauf- und runtergeteilt wird.

    Erst wollte ich diese auch nur „re-tweeten“, dann habe ich mir die Zahlen noch mal genauer angesehen und mir gedacht, dass man hier vermutlich mehr als 240 Zeichen Kommentierung spendieren sollte. Die Liste der „Kompetenzen“ ist eher kleinteilig und umfasst eher „Können“ (als eingeübte Lösungen) als „Kompetenzen“, die eher Lösungsfähigkeiten abzielen. So ist zum Beispiel fraglich ob ‚regelmäßige Updates von Antivirensoftware‘ sowie der ‚regelmäßige Password-Wechsel‘ tatsächlich Kompetenzen im engeren Sinne sind oder nicht nur Ausprägungen eines dahinter stehenden Kompetenzfeldes wie „Sicherheitsbewusstsein“ sind.

    Aber das sind nur Mutmaßungen – die Infografik gibt keine weitergehende Hinweise. Es lässt sich auch vermuten, dass hinter der Verteilung eine kontrollierende Drittvariable steckt: Ich denke, dass hier das Alter der Befragten eine große Rolle gespielt hat, ob und welche Kompetenzen sie bei sich im Umgang mit digitalen Medien selbst zu schreiben – mit allen empirischen Risiken die Studien mit Selbsteinschätzungen an sich bergen.

    Mindestens ein Drittel der Befragten kann so gut wie gar nichts online: Im Segment „niedrige/keine Kompetenz“ liegt der geringste Anteil bei 26, der Höchste bei 81. Bereits bei Online-Überweisungen endet die Digitalkompetenz der Hälfte der Deutschen.

    Nur jeder Zweite schätzt sich in der Lage Inhalte in soziale Netzwerke einzustellen – man sollte meinen, dass das inzwischen einfacher als Lesen und Schreiben sei. Um so überraschender empfinde ich den verhältnismäßig hohen Anteil von Personen, die meinen, Werbung erkennen zu können – aber Selbstüberschätzung ist bei Selbsteinschätzung auch nicht ungewöhnlich.

    Tatsächlich, weiß ich nicht was diese Daten eigentlich sagen: Zum einen dokumentieren sie sicher einen hohen Grad an Unsicherheit mit digitalen Medien. Zum anderen gibt es scheinbar noch jede Menge zu tun…

    Dieser Beitrag erschien zuerst unter http://www.team40.org/online-ueberweisungen/