Wohnungswechsel ist immer lästig. Wir bleiben in der Regel dort wohnen, wo wir gerade sind, weil es bequemer ist als umzuziehen.

Es gibt immer wieder im Leben Einschnitte und Veränderungen, die es erlauben oder nötig machen, über die Wohnsituation nachzudenken. Bei mir war es eine Trennung mit anschließender Scheidung. Nachdem ich mich einigermaßen wieder zusammengerauft hatte, dachte ich darüber nach, wieviel Wohnraum ich künftig bräuchte.

Nach drei Jahren sah meine Situation wie folgt aus: Meine zwei Söhne leben an drei von sieben Wochentagen bei mir und ich lebte in einer neuen Beziehung, die zunächst eine Fernbeziehung war, bei der wir abwechselnd einander an den Wochenenden besuchten.

Das bedeutete 20 Prozent der Zeit war die Wohnung ganz leer und an weiteren 20 Prozent der Zeit wohnten wir zu viert darin. Die verbleibenden 60 Prozent teilten sich zu gleichen Teilen auf Tage, die ich allein in der Wohnung verbrachte oder zu dritt mit den Kindern.

Wie viele Räume, wieviel Quadratmeter sind für eine solche ‘Mischbelegung’ notwendig, möglich und bezahlbar? In Ballungsgebieten ist Wohnraum knapp und teuer. In der Wohnsituation bis dahin gab es ein Schlafzimmer, ein großes Kinderzimmer, ein kleines Bad und eine ausreichend große Wohnküche als Lebensmittelspunkt.

Wenn künftig jedes Kind ein eigenes Zimmer haben könnte, wäre es gut. Zusätzlich klassisch verteilte Wohn-, Ess- und Schlafzimmer aber wohl finanziell nicht denkbar – und außerdem hatte sich das Modell Wohnküche bewährt. Was würde ich brauchen? Wie lebt der Durchschnittsmieter? Was sagt das Statistische Bundesamt dazu?

Ab drei Personen im Haushalt habe jede Person durchschnittlich 25 qm Wohnfläche ⏩ heißt es in den Zahlen von 2014. Je kleiner die Haushaltsgröße desto größer die durchschnittliche Wohnfläche pro Person: Singles mit Eigentumswohnungen verfügen über durchschnittlich 100 Quadratmeter für sich alleine.

Wenn ich mich am Maximal-Bedarf orientieren würde, hätte ich mindestens eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Düsseldorf suchen und finden müssen. Aber wir waren ja nur in einem knappen Drittel der Zeit zu viert in der Wohnung. Wenn man die Belegzeiten als Gewichte an die durchschnittlichen Wohnungsflächen pro Haushaltsgröße hängt, müsste die durchschnittliche Wohnung im Mittel 63 Quadratmeter groß sein – aber eigentlich bräuchte man Wohnraum, der tageweise anwachsen und schrumpfen könnte.

In unserem Fall ist es eine Wohnung von knapp 80 Quadratmetern geworden, die wir nun dauerhaft zu zweit bewohnen und damit eigentlich genau den Durchschnittswert an Wohnraum für Zwei-Personen-Haushalte in Mietwohnungen belegen. Nach dieser Rechnung wäre kein Platz für die zwei Kinder, die weiterhin drei von sieben Tagen in der Woche bei uns sind. Aber sie haben ihren Platz: Jedes Kind sein eigenes Zimmer von knapp 10 Quadratmetern. Daneben gibt es ein Schlafzimmer und eine Wohnküche. Am Ende kein ganz durchschnittliches Modell.

Teil 1 lesen: ⏩ Wohnen wird öffentlich

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